Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum , 6. Oktober 1988
Kategorisierung Georg Eder; Kirchliches; 1988

Zillergrenze

Es ist erstaunlich, wie wenig Interesse die Innsbrucker Zeitungen der Wahl des neuen Salzburger Erzbischofes schenken. Immerhin sind die Nachfolger des hl. Rupert nicht nur Metropoliten, also gleichsam 2. Instanz, auch für die Diözese Innsbruck. Für alle Tiroler Katholiken östlich des Zillers ist der Salzburger Erzbischof ihr Bischof, und das seit über tausend Jahren. Es gibt in Mitteleuropa kaum eine ältere Grenze als die Zillergrenze - schon die römischen Provinzen Rhaetien und Noricum stießen hier zusammen. Der sozialistische Nationalrat Lothar Müller ist gebürtiger Vorarlberger und Doktor der Theologie. Er hat dieser Tage vorgeschlagen, man sollte den Wirbel, der in Salzburg derzeit wegen der Bischofswahl herrscht, benutzen, um das Unterland kirchlich an Innsbruck anzuschließen.

Das kann von einem Unterländer (wie mir) nur mit der Aufforderung, sich während des Brandes eines Hauses am Silberbesteck, an der Münzensammlung oder am Werkzeugkasten des Abbrändlers zu bedienen, verglichen werden. Die Frage der Diözesangrenze kann, so weit das überhaupt eine diskussionswürdige Frage ist, nur in ruhigen Zeiten abgehandelt werden. Mit Dr. Müller kann man darin übereinstimmen, daß über die Sache nur im Einvernehmen mit den Betroffenen, also mit dem Kirchenvolk, entschieden werden kann: Das will in der Mehrzahl bei Salzburg bleiben. Westlich des Zillers haben die meisten Leute keinen Funken Verständnis dafür, daß jemand zugleich ein guter Tiroler und ein guter Salzburger Diözesane sein kann.

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