Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Zehn Jahre Holzwärme in Terfens -"Terfens denn dös?" - Sie derfens!

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum 4. April 2002
Kategorisierung Holz; Fernwärme; 2002


Gegen starke Widerstände in Gemeinde, Bezirk und Landhaus

Angefangen hat das alles mit einem Ausflug der Musikkapelle. Am Ziel ihrer Reise sahen die Terfener eine Dorfheizung auf Hackschnitzelbasis. Und warum sollte das in Terfens nicht gehen? - Schwierigkeiten machten zunächst ängstliche Anrainer des vorgesehenen Standortes und ein Gutachter, der meinte, es sei Aufgabe eines Gutachters, das für gut zu erachten, was der Auftraggeber hören will.

Freitag Bescheid, Montag Baubeginn

Doch die Genossenschafter, 20 an der Zahl (18 Bauern, die Gemeinde, ein privater Abnehmer), ließen sich nicht entmutigen. Von der Gründung der Genossenschaft bis zur Bauverhandlung verging ein Jahr. Und dann dauerte es vom Juli bis zum 10. September 1992, bis der Bescheid endlich herausgegeben wurde. Am Montag drauf wurde mit dem Bau begonnen, was schon deshalb sehr dringend war, weil Neubauten ohne Heizraum, Heizkessel und Öltank bereit waren, sich anschließen zu lassen. Der Standort liegt nun etwas außerhalb der Ortschaft, was Obmann Hubert Angerer nicht nur negativ sieht: Weil das Werk das ganze Jahr über liefern muss - auch an heißen Sommertagen - wäre es bei geringeren Wärmeverlusten in Zeiten, in denen so gut wie keine Abnahme erfolgt, schwer möglich, den Ofen zu fahren. Holzbeheizte Anlagen können nicht so ohne weiteres ganz klein fahren oder schnell ein- und ausgeschaltet werden wie Ölbrenner... Gebaut werden musste eine insgesamt 1,7 km lange Leitungstrasse, wobei ein Rohr Hitze abliefert, das andere das abgekühlte Wasser zurückführt. Die Stahlrohre sind so gut isoliert, dass der Wärmeverlust sehr gering bleibt. Das Wasser hat im Sommer 80 Grad Celsius, im Winter 95 Grad. Die zwei Kessel haben je eine Leistung von 350 kW. Verheizt werden Sägenebenprodukte und Waldhackgut von den Bauern. Der Mischpreis aus beidem steht in Konkurrenz zu Öl und Gas. Für das Pumpen und anderes wird auch einiges an Strom gebraucht.

Förderung durch Bund und Land

Gekostet hat die Anlage nach heutigem Geld nicht ganz eine Million Euro. Die Hälfte der Baukosten leisteten Bund und Land. Holzheizungen sind bei der Errichtung im Großen wie im Kleinen teurer als andere Systeme. Ohne Förderung wären sie nur in Zeiten höherer Ölpreise konkurrenzfähig. Sowohl die Ängste einiger Mitbürger wie die führender Landespolitiker und Landesbeamter, es würde aus den beiden schlanken Kaminen mehr an Abgasen kommen, sind ganz unbegründet. Angerer hat Messungen, nach denen die Abgasreduktion bei 97 Prozent liegt. Keine konventionelle Hausheizung ist ähnlich streng laufend kontrolliert wie die Dorfheizungen in Terfens, Söll, Fügen oder anderswo.

1993 erhielt die Hackschnitzelheizungs-Genossenschaft Terfens den "Grünen Zweig" des Tiroler Forstvereins. Ein Alphornquartett spielte damals ein eigens für diesen Anlass geschriebenes Stück mit dem Titel: "Terfens denn dös?" - in Anspielung an den Ausspruch von Kaiser Ferdinand dem Gütigen, der, als die Wiener 1848 Revolution machten, erstaunt fragte, ob sie das denn dürften. Eine Sache, die in anderen Bundesländern einmal die Woche passiert, nämlich die Eröffnung einer Dorfheizung auf Holzbasis, gibt es in Tirol nicht einmal im Jahr. Die Terfener waren Pioniere, und sie hatten es wie alle Pioniere nicht leicht. Die Ausdauer der Genossenschaft und vor allem ihres Obmannes hat schließlich doch Anerkennung gefunden. Und so endet die Geschichte wie das Alphornstück, aufgeführt im Tiroler Landhaus, mit der Feststellung: Sie derfens!

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