Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Dezember 2007
Kategorisierung Kirchliches; 2007

Wo bleibt das Positive?

Jedes Mal, wenn an dieser Stelle sanfte oder auch weniger sanfte Kritik an unserer Kirche steht, bekomme ich nicht nur Zustimmung. Besonders absurd: Einer verleicht mein Geschreibe regelmäßig mit den Angriffen, die es in der Nazizeit auf unserer Kirche gab. Dem kann man eigentlich nur mit dem antworten, was am letzten Sonntag im abgelaufenen Jahr aus dem Buch Jesus Sirach verlesen wurde: "Mein Sohn, wenn Dein Vater alt wird und sein Verstand abnimmt, siehe es ihm nach, und beschäme ihn nicht in deiner Vollkraft!" Rund um Weihnachten waren, im Raum Innsbruck wenigstens, die Kirchen voll. Um 6 Uhr früh, an einem Werktag in der Vorstadt, schätzte der eigens eingeflogene Hornist mehr als 300 Besucher - junge wie alte, und alle ganz freiwillig. Warum dann trotzdem, wie dieser Tage eine Umfrage zweifelsfrei belegte, das Ansehen der Kirche ganz hinten gelandet ist, noch hinter den Zeitungen und den politischen Parteien? Weil alle verärgert sind, dass sie sehenden Auges darauf hinsteuert, dass es diese Form von Gemeinden nicht mehr geben wird - wenn die meisten der heute noch lebenden Priester gestorben sein werden. Weil man nicht tut, was jetzt nötig wäre, nimmt man das Aussterben des Priesterstandes bewusst in Kauf. Bewusst, weil gegen die Alterspyramide des Priesterstandes und die Neueintritte in die Seminarien (in Innsbruck war es im Herbst ein Mann) nichts hilft. Nicht einmal das Beten. Altbischof Helmut Krätzl, 75, und der Pfarrer Helmut Schüller, 57, haben rechzeitig zu Weihnachten Bestseller abgeliefert. Sie wüssten darin Rat, aber auf ihre Vorschläge wird nicht gehört. Warum? Adolf Trientl wusste schon 1884 die Antwort: Weil die vatikanischen Ohren taub sind. Und das erzeugt keine Zustimmung, sondern Verärgerung über jene, die uns die Kirche, für viele nach wie vor Heimat, mutwillig rauben.

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