Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

Wechseln zu: Navigation, Suche
Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Dezember 2007
Kategorisierung Kirchliches; Weihnachten; 2007

Wir Kirchenmäuse

Zwei Erlebnisse im zu Ende gehenden Jahr: Im Februar auf einer kanarischen Insel. Am Samstag früh frage ich den Hotelportier (der Aussprache nach ein Deutscher), wo man hier am Sonntag einen Gottesdienst mitfeiern könne. - Ha, ha, ha, Sie gehen am Sonntag noch in die Kirche?! Ich habe mir das längst abgewöhnt. An sich wollte ich das von ihm gar nicht so genau wissen, aber ich kann ihm nicht gut jetzt eine herunterhauen, wenn ich gerade so eine Frage gestellt habe. Eh schon wissen: Wenn dich einer auf die rechte Backe schlägt, halte ihm auch die linke hin. Der Gottesdienst, mehrsprachig, gut vorbereitet, von allen mitgefeiert, fand in einem Saal eines nahen Fünf-Sterne-Hotels statt - und er gab dem Sonntag ein Gesicht. Am Montag habe ich dem Portier gesagt: Er könne die Adresse weiterempfehlen.

Szenenwechsel: Am Stammtisch im Innsbrucker Cafe Central. Irgendwann kömmt die Rede auf die innerkirchliche Situation. Wann nicht? Plötzlich fragt mich einer: Aber Du wirst doch nicht am Sonntag in die Kirche gehen? Ich darauf: Nicht nur das, wenn es geht, auch an Werktagen. Das ist zwar reichlich übertrieben. Aber: Wo muss man sich heute schon überall dafür entschuldigen, wenn man - trotz allem, noch immer - zu dieser alten, abgenutzten Institution hält?

In diesem Sinne wünsche ich: Frohe Weihnachten, und gut gestaltete Gottesdienste - nicht nur Berge von Geschenken. Und eine Gemeinde, die Sie freundlich aufnimmt, obwohl Sie es gar nicht so verdient haben. Und einen Pfarrer, der so erfüllt ist von dem, was er sagt; besser: Der nur sagt, wovon er erfüllt ist. Wie der unsere.

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen