Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 18. Juli 2007
Kategorisierung Heinz Fischer; Rudolf Kirchschläger; 2007

Wie zu Kaisers Zeiten

Der Herr Bundespräsident eröffnete die Festwoche in Erl. Nach der Aufführung der 3. Symphonie von Anton Bruckner strebte, bei leichtem Nieselregen, alles zu Fuß zu seinen Autos. Denselben Weg benutzten gleichzeitig schon jene für die Abfahrt, die ganz in der Nähe des Festspielhauses einen Parkplatz zugewiesen erhalten hatten - also selbstverständlich auch der Dienstwagen des Präsidenten.

So weit, so gut. Aber niemand wird erklären können, dass bei den beiden Begleitfahrzeugen des Präsidentenautos, also vor und hinter ihm, das Blaulicht rotierte. So als wollte man sagen: Auf die Seite, gewöhnliches Volk, jetzt kommt ein besonderer Mensch, samt Gattin und Protokollchef! Das kann aber in der Tat die einzige Begründung für die Einschaltung des Blaulichtes gewesen sein, eine andere gibt es nicht. Der Präsident hatte an diesem Abend wie wir außer dem Abendessen keinen weiteren Termin mehr. Er musste auch nicht gleich ins ferne Wien fahren, sondern er blieb in Tirol. Kein Mensch ging übrigens deshalb, weil nun offenbar der HBP kam, ins feuchte Gras oder in den Straßengraben. Gedacht haben wird sich manch einer: Wie zu Kaisers Zeiten! Weil ein hoher Herr nicht unbeachtet bleiben und nicht warten kann, hat alles auf die Seite zu gehen.

Vor 25 Jahren fuhr ein anderer Bundespräsident mit der Bahn zum Jubiläumsfest der Kammer. Im Speisewagen, sagte er mit unverkennbar tiefer Stimme zu einem Mitfahrenden: "Entschuldigung, ist hier noch ein Platz frei?" "Selbstverständlich", sagte der verdattert; und er pries das Land, in dem nicht die Staatspolizei dem Staatsoberhaupt einen Platz verschafft, sondern dieser höflich anfragt, ob er einen noch freien Platz benutzen darf. Vor 25 Jahren...


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