Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Widerstand gegen den Terror der Straße ist ein Gebot der Stunde

Autor Winfried Hofinger
Medium das fenster?
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ?1988
Kategorisierung Transit; Alois Partl; 1988

Unsere Enkel werden uns einmal fragen

Widerstand gegen den Terror der Straße ist ein Gebot der Stunde

Wie kommt jemand, der noch nie in einem Kaufhaus etwas ohne zu bezahlen mitgehen ließ, der schon einmal wegen Langsamfahren im Stadtverkehr angezeigt wurde, wie kommt jemand, der sich täglich darüber freut, in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben, einer der Tirol liebt, und Österreich nicht weniger, wie kommt der dazu, andere zu einer gewaltsamen Aktion aufzurufen? Ganz einfach: Weil die Lage so ist, daß die demokratisch gewählten Vertreter und die rechtsstaatlichen Organe der Verwaltung ihrer Aufgabe, den Bürger vor Gewalt zu schützen, seit Jahren nicht gewachsen sind. Gesundheit und Wohlbefinden - wobei eines das andere bedingt - jener Mitbürger, die an den Transitrouten leben, sind das zu schützende Gut. Wenn die Organe des Rechtsstaates versagen, ist die Stunde des Widerstandes gekommen. Ich habe daher bei der gemütlichen Blockade im letzten Herbst auf dem Steinacher Marktplatz ganz bewußt aufgezeigt, daß die Sperre von einer der beiden Straßen alle halben Jahre gar nichts nütze. Wenn die Welt, wenn Europa irgendetwas versteht, dann müßten beide Straßen und das alle paar Tage, blockiert werden. Vor Jahren sagte ein Politiker, die Leute an der Inntalautobahn würden den Lärm gar nicht merken, wenn ihnen nicht »der Eizinger«, der damals noch bei der TT. war, das einreden würde. Die Wahrheit ist, daß viele Häuslbesitzer, die in dieses ihr Häusl ihr Erbteil, das ihrer Frau, alles Ersparte und die Mithilfe ihrer Nachbarn gesteckt haben, in diesem ihrem Heim nicht mehr bei offenen Fenstern schlafen können. Um das zu merken, brauchen sie keine Zeitung. Mich selbst betrifft das nicht so sehr, ich wohne in einem ruhigen Stadtteil von Innsbruck. Es scheint mir aber gut, wenn Mitbürger, die an dem allem nur am Rande leiden, zum Widerstand aufrufen, nicht jene, denen Blei und Salz von den Brücken der Brennerautobahn im wörtlichen Sinn auf den Kopf oder auf das Hausdach fallen.

Wenn LH Dr. Alois Partl in all seinen Antrittsreden gesagt hat, daß ihm die Belastung Tirols durch den Transitverkehr als das Thema Nr. 1 erscheint, dann muß ihn jeder auf seine Weise unterstützen - sonst kann er in ein paar Jahren, wenn sich dann immer noch nichts geändert hat und nichts gebessert hat, nicht denen da oben die Schuld geben. Die können nur dann etwas erreichen, wenn wir ihnen alle helfen.

Unsere Enkel werden uns einmal fragen, warum wir uns den Terror, der durch den LKW-Transit ausgeübt wird, so lange gefallen lassen haben. So wie sie nicht verstehen werden, warum wir, trotz eindeutiger Warnungen, nichts oder so gut wie nichts gegen das Waldsterben unternehmen. Es mag schon auch seinen Sinn haben, heute nachzufragen, was unsere Großväter vor vierzig und mehr Jahren alles falsch gemacht haben. Heute zu handeln, bis zum Widerstand gegen den Terror der Straße, ist ein Gebot der Stunde. Als ich vor gut einem Jahr zur Behinderung des Weerbergrennens aufgefordert habe, da war sehr schnell ein Ordnungshüter bei mir und fragte mich aus, was ich denn im Detail plane. Feigling, der ich war, fuhr ich gerade um diese Zeit auf Urlaub. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Sie, wenn Sie am 19. Juni mitmachen Schwierigkeiten bekommen. Ich hoffe wir sehen uns trotzdem.

Winfried Hofinger, Vorsitzender des Naturschutzbeirates

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