Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Tageszeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum nicht gedruckt 1991
Kategorisierung nicht gedruckt; Jagd; 1991

Wenn der Auerhahn balzt

Helmut Pechlaner stellt fest, daß einen Auerhahn zu schießen nicht schwerer sei als das Erlegen eines Hirschen an der Fütterung. Einziger Unterschied: zur Fütterung kommen Reh und Hirsch auch am Nachmittag - zur Hahnbalz muß man früh aufstehen. Schon mehrfach haben uns norwegische Agrartechniker gefragt, warum unsere Bauern nicht Auerhähne züchten. Wie das? In Norwegen sei das ein ganz erträglicher Betriebszweig. Die Bauern zögen den großen Hahn auf wie die Haushennen. Wenn die Auerhähne im Frühjahr närrisch werden, verkaufen sie Abschüsse um rund zwanzig Tausender an Städter, denen das etwas gibt.

Ich kann mir nicht helfen: Ich mache mir, weil ich ein bißl auch Sigmund Freud gelesen habe, darüber Gedanken, was das für Leute sein mögen, die ein Tier, das in seinem Liebesrausch blind und taub ist, gerade im Zeitpunkt der höchsten Phase ihres Wahns abschießen. Und ich denke an alles andere, was ich über den Zusammenhang von Jagd und sexuellen Ersatzhandlungen gelesen und beobachtet habe. Auf Wunsch jede Menge Beispiele. Als Knecht der Grundeigentümer soll ich nichts gegen die Auerhahnjagd sagen. Eine Jagd mit Hahn ist mehr wert als eine ohne. Aber den kultischen Anstrich soll man dem Schießen eines liebestollen Vogels nehmen. Ich jedenfalls denk mir meinen Teil über jeden Mitbürger, in dessen Stube ich einen ausgestopften Auerhahn sehe. Wollte er da eigentlich den Nebenbuhler, den abzuschießen ihm Gesetz und Anstand verbieten, hängen sehen?

Der Verfasser ist Mitglied des Landesjagdbeirates.

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