Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ? Juli 2001
Kategorisierung Verkehr; Raumordnung; 2001

Wegelagerer

Wenn zu einem griechischen Bergdörfl mit zwei-, dreihundert Einwohnern eine neun Meter breite Prachtstraße mit nagelneuem Asphalt fährt, dann denkt man an den Scherz, wie die Griechen so etwas finanzieren: Sie reichen bei einem Projekt, das vermutlich 500 kostet, Kostenvoranschläge um die tausend ein. Die Hälfte des Tausenders bekommen sie aus Brüssel refundiert - und da die wahren Kosten des Projektes ohnedies nur bei 500 liegen, passt alles. Die Kontrolle funktioniert schon deshalb nicht so gut, weil kaum jemand in Brüssel die griechische Schrift lesen kann. Die Kontrolle durch eigene Landsleute, die bei uns eher zu einer Verschärfung geführt hat, ist am Balkan kein Problem. Gefragt, warum die Rohtrasse einer anderen Straße unbedingt 40 m breit sein musste, druckten sie ein wenig herum: Der Abbruch sei schließlich schönster, gut verkaufbarer Kalkstein. Und der Unternehmer, der den Hang angeschnitten habe, würde umso mehr bekommen, je mehr er abbauen müsste. Und so schaut der Hang dann aus wie die ärgsten Wege, die von den Bundesforsten vor zwanzig, dreißig Jahren ins Karwendel geknallt wurden. Via est vita, Verkehr ist Leben, sagte Vorjahren einer in Tirol. Der Straßenbau kurbelt die Bauwirtschaft an, sagen die Griechen. Der Weg ist das Ziel.

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