Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 30. Mai 1996
Kategorisierung Skipisten; Wasser; 1996

Wasserspiele

Wer vorausschauend plant, weiß um den Wandel der Jahreszeiten. Er wird also Gespräche über die Benützung von Forstwegen durch Radfahrer schon im Herbst beginnen und nicht erst im April. Wer Pisten beschneien will, plant das im Spätwinter, und im Sommer legt er die Rohre aus. Bisher hat man in Tirol den Kunstschnee mit Wasser aus Quellen, aus eigens angelegten Teichen oder aus dem nächsten Bach erzeugt. Das mit dem Bach kannte man bisher vor allem aus Südtirol: Da rinnt fast alles aus den Hotels ungeklärt in den Dorfbach - und von dort wird es hinaufgepumpt zu den Schneekanonen. Wenn die Kinder Schnee fressen und erst im Hotel aufs Klo gehen, rinnt das wieder in den Bach, von wo es zu den Schneekanonen gepumpt wird. Das nennt man Kreislaufwirtschaft. Wenn sich in Nordtirol Bauern dagegen wehren, daß das Dreckbachl neben der Bundesstraße auf dem Umweg über eine Schneekanone auf ihre Felder kommen soll, dann sind sie Egoisten. Wenn sie sagen, daß sich auf eben diesen Feldern ihre hofeigenen Quellen befinden, dann ist die Antwort darauf: Sie hätten wohl gerne eine höhere Entschädigung. Daß es an sich eine Verirrung ist, unter Einsatz von sehr viel Energie Wasser - sei es nun sauber oder verschmutzt - zu Schnee zu machen, traut sich gar niemand zu sagen. Sonst stünde er als Feind des Tourismus da. Selbst der Umweltanwalt hat da schon aufgegeben.

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