Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Wahre Raumordnung

Autor Winfried Hofinger
Medium nicht erschienen in Tourismus Zeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum nicht gedruckt; ?1992
Kategorisierung nicht gedruckt; Erhard Busek; Tourismus; 1992
Anmerkung des Autors von Schöpf(!) bestellt und nie gedruckt!!


Es ist schon ein paar Jahre her. Im Innsbrucker Treibhaus sprach Erhard Busek zum Thema "alpenländischer Tourismus". Die Wahl des Lokales und die Wahl eines solchen Referenten (noch nicht Bundesparteiobnann) war für einige Granden so ausgesprochener Grund, nicht hinzugehen. Der Turm war trotzdem gerammelt voll. Ich sagte, aufgeregt vor so vielen Leuten, sinngemäß aber doch dieses: Wahre Raumordnung bestünde darin, daß die ganz überentwickelten, also Seefeld, lschgl, St. Anton, Neustift, Mayrhofen, von ihrem Überfluß an die Unterentwickelten abgeben. Denn die Überentwicklung dieser Orte sei nur deshalb erträglich, weil ganze Täler (Navis, Schmirn, Vals) oder die Umgebung dieser Orte (Zellberg, Rohrberg, Hainrenberg, Distlberg, Gerlosberg, Schwendberg usw.) so unterentwickelt seien.

Der damalige Fremdenverkehrslandesrat darauf: Das Anliegen sei berechtigt, es sei aber ungeheuer schwer, es gerecht zu verwirklichen. Ich darauf: Ohne Zweifel sei das, was ich fordere, schwer zu verwirklichen, aber solche Probleme zu lösen, das sei viel eher die Aufgabe der Politiker als Dorffeste oder Drogerien zu eröffnen.

Die anwesenden Hoteliers aus Igls und Seefeld fragten laut, wer denn der Kommunist sei, der da eben gesprochen habe. Ich darauf: Man könne auch, wenn man Anhänger der sozialen Marktwirtschaft sei, zu solchen Lösungen kommen. Oder der christlichen Soziallehre. Die ökosoziale Marktwirtschaft - die beste Sache überhaupt, nur mit einem schrecklichen Wort behangen - gab es damals gerade noch nicht.

Seither habe ich diese (nicht von mir stammende) Idee besser ausformuliert. Im letzten Winter, vor einem Universitätskurs bei Bregenz, ist mir die damit beabsichtigte Provokation so gut gelungen, daß mich die jungen Damen und Herren aus Lech, Zürs, Schruns und Tschagguns ums Haar aus dem Hörsaal geworfen hätten.

Ich bleibe dabei: Es ist also nicht damit getan, daß der Tourismus in den "reichen" Orten ("reich" durchaus auch an Schulden!) die Landwirtschaft in seiner Gemeinde fördert. Das nützt den Sellrainern, den Brandenbergern, den Schmirnern, Valsern, Navisern usw. gar nichts. Der Ausgleich muß landesweit erfolgen, so schwer das alles gerecht zu verwalten ist. Das alles hat nicht als Almosen bezeichnet zu werden, sondern als Abgeltung für die Übererschließung.

Mehr als meine Behauptung, daß sie reich wären, hat damals im Turm oder auch in Bregenz die Macher geärgert, daß ich sie und ihre Orte als übererschlossen bezeichnet habe. Ganz Tirol nur deshalb noch erträglich, weil es die armen Häuter gibt. Der übliche grüne Denkfehler: Deshalb, weil unsereins in den überentwickelten Orten nur mehr graust, zu schließen, anderen ginge es genau so. Das Gegenteil ist der Fall: Dort hat man nach wie vor die größten Zuwachsraten.

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