Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 25. Oktober 1990
Kategorisierung Wahlen; Politische Parteien; 1990

Wahlnachlese II

Ginge es nach der Qualität der Plakate, dann hätten die Grünen (und bei früheren Wahlen die Kommunisten) gewinnen müssen. Die schlechtesten Plakate hatte eindeutig die Volkspartei. Nilpferd und alter Gaul als politische Aussage ...

Wozu überhaupt Plakate? Muß in der Politik mit den Mitteln der Werbung gearbeitet werden, so wie für Damenwäsche und Eisenbahn? Offenbar schon. Die Sozialisten haben auch auf dem Sektor Plakat die Wähler gepflanzt: Zuerst erzählten sie der Nation, sie hätten vor, keine Plakate anzubringen, sondern sie würden in jeder Gemeinde einen Baum pflanzen. Als noch bei weitem nicht alle versprochenen Bäume gesetzt waren, überschwemmten sie das ganze Land mit ihren Vranz-Bildern. Die Bilder waren die optische Einleitung des Vorzugsstimmen-Schwindels: Es stand auf diesen Bildern irgend etwas von Qualität, der Name des Spitzenkandidaten - und sonst nichts. Weder Name noch Zeichen der Partei. Die Bilder waren gut; wohl von einem Profi der Werbebranche ausgesucht.

Camus - und vor ihm schon andere - hat gesagt, daß der Mensch ab einem bestimmten Alter für sein Gesicht selber verantwortlich ist. Das hat wieder gar nichts mit Schönheit zu tun (siehe Wallnöfer, Kreisky, Kirchschläger, Figl usw.). Ein kantiges, nach landläufigen Vorstellungen häßliches Gesicht kann Zustimmung erwirken. Ein glattes Gesicht kann Unentschlossenheit, mangelnde Härte signalisieren. Und Ehrlichkeit - aber das ist offenbar noch zu wenig.

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