Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 27. November 1986
Kategorisierung Politisches; SPÖ; Udo Proksch; 1996

Waffenbrüder

Udo Proksch verhaftet, Udo Proksch enthaftet, verhaftet und wieder enthaftet. Wie lange das noch so hin und her gehen mag? Es steht uns nicht zu, darüber zu befinden, ob der Zuckerbäcker vom Wiener Kohlmarkt tatsächlich, wie die Bundesländer-Versicherung behauptet, ein von ihr versichertes Schiff absichtlich hat versenken lassen und mit ihm angeblich Schrott, der als teure Uranaufbereitungsanlage deklariert war und dazu ein halbes Dutzend Matrosen. Sicher ist nur dies - und von Proksch auch nie bestritten: daß er den Nebenberuf eines Waffenschiebers ausübt. Daß sich fast die gesamte sozialistische Prominenz von Wien, von Landesparteiobmännern bis zu Ministern, rühmt, dem Freundeskreis dieses Mannes anzugehören, ist ein Anzeichen der Verrottung der österreichischen Sozialdemokratie, die immerhin auch eine moralische antimilitaristische Tradition zu bewahren hätte. Sie leiten, jeder auf seinem Posten, einen Beitrag zur Vertuschung der Wahrheit. Daß es nicht nur um das Geld der "schwarzen" Bundesländer-Versicherung, sondern auch um Menschenleben geht? Die kann man doch nicht mehr zum Leben erwecken ...

Es ist auf den Tag 70 Jahre her, daß der Sohn des Obmannes der k. k. Sozialdemokratie den Ministerpräsidenten Stürgkh erschossen hat, in der festen Überzeugung, daß nur so dem schrecklichen Krieg ein Ende gesetzt werden kann. Ekelhaft: Heute sitzt man mit Waffenschiebern im selben Club und hilft ihnen, wo man kann, als Minister, Staatsanwalt, Journalist. "Freundschaft" nennt man das wohl.

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