Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung  ?
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ? Februar 2000
Kategorisierung Dritte Welt; Autorennen; 2000

Wüstenfahrt

Auch auf die Gefahr hin, im ganzen Zillertal nicht mehr gegrüßt zu werden: So schlimm die Verletzungen des Motorradfahrers Heinz Kinigadner sind, so wenig man sie ihm gewünscht hat - es muss einfach festgestellt werden, dass das, was er und andere im Sahel und in der Sahara getrieben haben, der Unsinn an sich ist. Man könnte dieses Treiben auch viel schärfer abqualifizieren: Wer je in diesen Gegenden war, und seien es jeweils nur ein paar Tage gewesen, der weiß, dass es da nicht nur an asphaltierten Straßen mangelt. Die ärmsten Staaten der Welt hat, von West- bis Ostafrika, ein Millionentrupp durchrast. Die besten Bilder gibt es immer dann, wenn schweigende Pölls, Nubas oder Tuaregs den Staubwolken nachschauen, die Motorräder, Autos und Lastkraftwagen aufwirbeln. Entlang der Route liegt dann jede Menge Schrott herum - die Teams haben weder Zeit noch Interesse, verbrauchte Ersatzteile, Verpackungen usw. einzusammeln. Und das ist auch der einzige Gewinn der Bereisten aus dieser Horrorschau: Sie verwenden den Wohlstandsmüll der eiligen Kolonne für dies und das: Sie bauen aus Draht und Blech Werkzeuge, Geschirr für sich und Souvenirs für Touristen.

Wenn man ein griffiges Bild für die abgrundtiefe Ungerechtigkeit und Ungleichheit unserer Welt sucht: Die Ralley Dakar-Kairo ist so eines, genau so wie Paris-Dakar. Oder die giftgrünen Golfplätze in derselben Gegend. Die Reichen benützen das arme Land und seine geringen Wasserreserven nach ihrem Geschmack. Über diesen Geschmack kann man nicht diskutieren, sondern nur mit den Pölls, Nubas und Tuaregs über den Verstand oder den Gemeinsinn der Europäer nachdenken. Und den Kopf schütteln.

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