Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 20. Mai 1993
Kategorisierung Politisches; Wahlen; 1993

Vorhersage

Um Ostern war die Wettervorhersage für den nächsten Tag fast immer falsch. Trotzdem wagten es die Leute von der Hohen Warte vor dem Palmsonntag, das Wetter für den Ostersonntag vorauszusagen. Oder waren das nur die Interpreten der Hohen Warte auf dem Küniglberg? Das Osterwetter war dann übrigens ganz anders, schlechter als eine Woche vorher vermutet.

Fast wöchentlich müssen die Prognosen über das Wirtschaftswachstum revidiert werden. Eine Prognose revidieren, das klingt weniger blamabel als zuzugeben, daß man im Grunde auch in der Wirtschaft nichts vorhersagen kann. Wer wollte auf eine Vorhersage, die in zwei Monaten nichts mehr gilt, teures Geld investieren?

Hochrechnung ist die verfeinerte Form der Vorhersage. Nicht der Frosch auf der Leiter, sondern ungezählte, im Computer gespeicherte Daten als ihre Grundlagen. Beispiel letzter Sonntag: Aus den bis 17 Uhr ausgezählten, naturgemäß vorwiegend kleinen Gemeinden schließt der Computer, daß die Liberalen um 3,9 Prozent und kein Mandat bekämen; geworden sind es 5,1 Prozent und drei Mandate. Nicht die Rechenmaschine ist schuld an dieser falschen Hochrechnung, sondern die Eingabe. Man hätte der Maschine vorher sagen müssen, daß die Liberalen in den großen Städten vermutlich mehr Stimmenprozente machen werden als in jenen Orten, in denen schon um 14 Uhr die Wahllokale geschlossen werden. Die ständige Revision falscher Hochrechnungen nennt man dann einen spannenden Wahlabend.

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