Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ? Mai 2008
Kategorisierung Österreich (Zeitung); Medien; Josef Fritzl; 2008

Von wegen Pressefreiheit

Jedem, der in den vergangenen Wochen auch Zeitungen überflogen hat, die er sonst nie liest, muss das kalte Grauen gekommen sein. Von "Österreich", dem wohl schrecklichsten Blatt seit der Erringung der Pressefreiheit, bis zu einer Wochenzeitung des Namens "News" wurde da bewiesen, dass das große Gut der Pressefreiheit, für das in Österreich sehr lange gekämpft werden musste, auch seine Schattenseiten zeigen kann.

Diese Freiheit hat ihre deutlichen Grenzen, wenn es um die Menschenrechte, den Persönlichkeitsschutz der Betroffenen geht. Diese Grundregel haben diese beiden Blätter (und noch einige mehr) in erschreckender Art und Weise missachtet. Das ging so weit, dass ein Phantombild der armen, von ihrem Vater vielfach missbrauchten Frau zuerst nach alten Fotos und "den Erzählungen von Menschen, die ihr jetzt begegnet sind" rekonstruiert wurde. Und dann, so nachzulesen in "Österreich" vom Pfingstsonntag, wurde die Computerzeichnung "absichtlich verfremdet, um die Intimsphäre zu wahren." Dass ist der Gipfelpunkt an Heuchelei. Wem da nicht der Brechreiz kommt, der muss sich fragen, wie er es mit der Achtung vor Menschenkindern in Not und Elend hält.

Vor 125 Jahren schrieb der "Mistapostel" Adolf Trientl in seinem "Testament" in einem langen Absatz zur Pressefreiheit, "daß die Presse Anstand und Nächstenliebe gar nie verletzten dürfe." Genau das tut "Österreich" und tun andere Schmierblätter nun täglich.

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