Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ? 2002
Kategorisierung Meta; Kirchliches; FPÖ; 2002

Von Toten und Lebenden

Wer beruflich jahrzehntelang Nachrufe oder Geburtstagsartikel schreiben musste, kennt die Pein, über einen sehr unterdurchschnittlichen Menschen nur Nettigkeiten und Heldenhaftes schreiben zu dürfen. Nun hat ein Pfarrer im Lechtal bei einem Begräbnis eines nicht nur beliebten Menschen auch Schwächen, die er hatte, angedeutet - und schon ist die Hölle los. Ist sie das wirklich, oder sind nur die Verwandten sauer, weil der Pfarrer ein Tabu gebrochen hat? De mortuis nil nisi bene, sagen Angeber mit Lateinkenntnissen. Zu deutsch: Von den Toten nichts als Gutes. Warum eigentlich? Nur, weil er sich nicht mehr wehren kann?

Von einem gottlob sehr lebendigen Zeitgenossen, dem EU-Kommissär, sagten die Freiheitlichen unlängst solche Dummheiten, dass sie hier gar nicht wiederholt werden sollen. Im Zusammenhang mit dieser Partie stellen sich immer mehr Zuschauer die Frage: Wie halten es Schüssel, Khol und andere überhaupt aus, mit denen am selben Tisch zu sitzen, mit denen nicht nur zu verhandeln, sondern auch Ausflüge zu machen, zum Heurigen zu gehen usw., ohne psychosomatische Schäden, sprich Magengeschwüre und anderes zu bekommen. Nein, da liege man ganz falsch; das gehöre zum politischen Geschäft, wer es nicht aushalte, tagaus, tagein mit solchen Ungusteln beisammen zu sein, soll Archivar oder Einsiedler werden. Dann bleiben also nur jene über, die Nerven und Magenhäute wie Stahl haben? Durchaus möglich.

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