Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ? Mai 1999
Kategorisierung Krieg; Politisches; NATO; Serbien; 1999

Versehentlich

Wenn die Anlässe nicht so ernst wären, könnte man den folgenden Witz erzählen: Versehentlich schneidet der rasierende Lehrbub dem Kunden ein Ohrwaschl ab. Sagt er darauf: Ich bitt' Sie, steckens das sofort ein, der Meister möcht schön schimpfen, wenn er das merken tät.

Versehentlich wird eine Brücke bombardiert, auf der sich gerade ein paar Traktoren mit Flüchtlingen befinden. Versehentlich wird die chinesische Botschaft getroffen. Versehentlich wird ein ganzes Dorf ausgerottet. Vor 54 Jahren, als die Staatsoper in Wien getroffen wurde, da hieß es auch, das sei versehentlich geschehen - weil der Pilot das Opernhaus mit seinem tonnenförmigen Dach für eine Bahnhofshalle gehalten habe. Von Hütteldorf aus, wo er die Bombe ausklinkte, liegt die Staatsoper recht genau in der Verlängerung des Westbahnhofes...

Es wurde lange und viel versucht, um der Führung in Belgrad klarzumachen, daß die ganze Welt das Unrecht an den Kosovoalbanern nicht mehr länger hinnehmen würde. Erst als alle Drohungen nicht ernst genommen wurden, griff man zu den Waffen. Aber daß dies ein Weg ist, auf den die Staatengemeinschaft stolz sein körnne, wird niemand sagen können.

Krieg ist Krieg? - Das ist es eben: Krieg in Europa, wenn auch vornehmlich aus der Luft. Und da gehen nun einmal, versehentlich, Wohnhäuser, Kirchen, Lagerhallen, Brücken und Menschen zugrunde. Daß niemand nichts anderes einfällt!

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