Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum nachzutragen
Kategorisierung Pensionssystem; ÖBB

Verkehrte Welt

Es gibt in Tirol einen sehr alten Herrn, der von öffentlichen Töpfen drei sehr große Pensionen bezieht. Alles ganz legal natürlich - aber in Summe macht das alles weit mehr an Euro aus, als ein Arbeiter oder eine Putzfrau in Schilling erhält. Oder im Monat viel, viel mehr, als die meisten anderen im Jahr erhalten. Wie konnte eine solch unglaubliche Anhäufung geschehen? Weil die, die das beschlossen haben, teilweise die davon Betroffenen waren?

Betroffene sind die meisten, die gegen jede Änderung des derzeitigen Systems auftreten. Sie wollen von dem Wenigen, das sie derzeit bekommen, oder zu bekommen hoffen, nicht noch etwas hergeben müssen. Die größte Dreistigkeit leistete sich vor einigen Wochen ein Eisenbahner, der ohne jeden Genierer in eine Fernsehkamera sagte, wenn er womöglich statt bisher mit 53 erst mit 54 in Pension gehen dürfe, dann bringe das seine ganze Lebensplanung durcheinander. Sag das einem Menschen zwischen zwanzig und vierzig, dessen Lebensperspektive darin besteht, jetzt feste zahlen zu müssen und später so gut wie nichts zu bekommen. Wer dem entgegensteuert, oder es versucht, der macht sich unpopulär bei den Alten - aber dass die Jungen dagegen auf die Straßen gehen, wenn uns alten Absahnern ein ganz klein wenig abgenommen wird, das verstehe wer will.

Wer in Verhandlungen geht (Kuh-, Holz-, Grundverkauf, Weiderechte), weiß schon vorher, dass das Ergebnis unmöglich darin bestehen kann, dass er alle seine Vorstellungen ganz durchbringt. Vielleicht war das Ergebnis der langen Nächte deshalb so enttäuschend, weil ein Teil der Sozialpartner diese so einfache Erfahrung noch nie im Leben gemacht hatte.


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