Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 3. Juni 1999
Kategorisierung Transit; Verkehr; Autorennen; 1999

Verkehrshölle

Von 1980 bis 1998 hat sich der Straßenverkehr in Tirol verdoppelt. Wenn es so weitergeht, dann ist in 20 Jahren wieder eine Verdoppelung zu erwarten, das heißt, viermal so viel um 2020 wie 1980. Dann wird nach einer zweiten Röhre für jede bessere Ortsumfahrung oder Lawinengaleriegerufen, nach einer vierten Fahrbahn (in jeder Richtung, versteht sich) für die Inntal- und die Westautobahn. Die Westbahn verrostet derweil unbemerkt dahin. Wenn um fünf Uhr früh ein übermüdeter Fernfahrer, der explosives Gefahrengut geladen hat, zu schnell zu einer Ampel kommt, dann helfen dort auch acht Fahrbahnen nichts. Als die Wiener Reichsbrücke einstürzte, um vier Uhr früh an einem Sonntag, gab es dort auch nur einen Toten. Viele hundert wären es an einem Werktag Nachmittag gewesen. Den ORF-Nachrichten am Beginn dieser Woche konnte man entnehmen, daß der heftige Wunsch besteht, doch noch ein paar Tote zu finden. Bis Montag war im Tauerntunnel wohl der Sachschaden beträchtlich - aber zu einer richtigen Katastrophe, mit internationalem Medienecho, gehören schon ein bißchen mehr Tote und Schwerverletzte.

Die Ursachen für den Tunnelbrand und viele andere Unfälle sind: Mangelnde Disziplin, zu wenig Kontrollen, keine Kostenwahrheit. Am Tag nach dem Brandunfall wurde in Barcelona ausgezeichnet, wer am schnellsten und rücksichtslosesten fuhr - allerdings in einer geschlossenen Anstalt.

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