Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 15. Juli 1999
Kategorisierung Musik; Kirchliches; Mobiltelefone; 1999

Urcool: Ein Handy

In Erl ist Festspielzeit Die Gäste des Eröffnungsabends wurden zunächst durch eine Stunde mehr oder weniger guter Reden davon abgehalten, sich Bruckners 8. Symphonie hinzugeben. Am Ende des 2. Satzes piepsten im Saal mindestens zwei Handys. Der Dirigent war humorlos genug, nicht weiterzumachen, ehe nicht alle Geräte abgeschaltet waren.

In derselben Woche wurde eine Umfrage unter jungen Menschen veröffentlicht, was sie für besonders cool, für urcool oder, wienerisch, für urgeil halten. Es führt mit Abstand ein eigenes Handy, noch vor dem Durchschlagen einer Niete durch die eigene Zunge. Am Ende der Skala stehen, als ganz out, Kirchen und Politiker. Das Ende war eher vorauszuahnen als die Spitzenpositionen. Wer die Hoffnung hegt, daß man wahre Lebensqualität einmal daran messen würde, ob es sich jemand leisten kann, kein Handy zu besitzen, der ist ur-out. Neuerdings werden diese Obdachlosen-Telefone sogar schon in Kirchen, auch während des Gottesdienstes, bedient. Was eine Wiener Zeitung ironisch vorausahnte ("Du, Schatzi, ich gehe jetzt noch schnell zur Kommunion; wenn Du jetzt daheim wegfahrst, bist Du am End der Mess am Haupttor") ist womöglich schon bald tägliche Praxis. Wird bei der nächsten Erler Passion, im nächsten Jahrtausend, Jesus am Ölberg seinen Vater per Handy fragen, ob dieser Kelch nicht an ihm vorübergehen könnte ...?

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