Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 21. November 1991
Kategorisierung Golf; Raumordnung; 1991

Unordnung

Es ist frivol, das Wort "Golfkrieg" für die Auseinandersetzung zwischen Golfplatzgegnern und -befürwortern zu gebrauchen. Auch wer (wie ich) gegen eine kräftige Sprache nichts einzuwenden hat, und auch wer (wie ich) dagegen ist, daß das Land mit einer Kette von Golfplätzen überzogen wird, soll bedenken: Das Wort "Golfkrieg" ist schon besetzt. Es steht für vieles, das wir alle wieder ganz gern schnell vergessen haben; es steht für unermeßliches Leid bei Kuwaitis, Irakern und Kurden.

Gemessen an dem allen ist die Frage, ob ein paar Wiesen mehr auf Dauer zu einem Kunstgebilde namens Golfplatz umgestaltet werden, ein Lercherl, wie die Wiener sagen. In den zum Teil sehr eigenartig geführten Golfdiskussionen wurde immer wieder gesagt: Golfplätze seien der letzte Hebstecken gegen die totale Zersiedelung des Landes. Nur die jeweils 50 bis 80 Hektar großen Golfplätze sichern, daß es - etwa im Raum Kitzbühel - noch unverbaute Flächen gibt Wäre vor Reith, wäre um das Schloß Kaps jeweils kein Golfplatz, dann wären auch diese Gebiete garantiert mit Villen der Flicks, Quandts und anderer Geldleute zugepflastert.

Wer dieses ernsthaft behauptet, unterstellt und nimmt als gegeben hin, daß es eine funktionierende Raumordnung nicht gibt. Stimmt das, dann ist, auch ohne drohende EG und EWR, die Raumordnung künftig so ernst zu nehmen, wie es der Gesetzgeber will. Mit Golfplätzen die Zersiedlung aufhalten zu wollen, ist, wie wenn man mit Fußabhacken einen Fußpilz bekämpfen wollte.

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