Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium AgroBonus
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Heft 11-12 1994
Kategorisierung Klärschlamm; 1994

Ungeklärte Sache

In Deutschland ist - nach langem hin und her - ein Fonds zu Abdeckung allfälliger Schäden nach der Verwendung von Klärschlamm eingerichtet worden. Gespeist wird dieser Fonds, in dem bis zu 250 Mio Mark Platz finden sollen, von den Erzeugern des Schlammes; also letztlich von den Konsumenten.

Wie das? Die Ausbringung eines so wertvollen Düngers, die Rückführung von biogenen Stoffen in den Kreislauf soll so gefährlich sein? So gefährlich, daß man für die zu erwartenden Schäden einen eigenen Fonds einrichten muß - weil sich die Versicherungen weigern, das alles zu versichern. Dieselben Anstalten übrigens, die nach wie vor Atomkraftwerke versichern. Von wem, so fragt sich der biedere Staatsbürger, soll man rechnen lernen, wenn nicht von den Versicherungen? Nun brauchen sie sich aber nicht mehr die Hände mit Klärschlamm schmutzig zu machen, weil es einen Fonds gibt.

Ja, in Deutschland. Bei uns ist da noch vieles ungeklärt. In manchen Ländern, in denen natürlich von "der Landwirtschaft" erwartet wird, daß sie ihre Flächen für die Ablagerung des Klärschlammes freudig zur Verfügung stellt, wird mit großem Druck verlangt, daß bis zum letzten Einschichthof alle an das Kanalnetz angeschlossen werden. In Tirol gibt es Almen, von denen im Winter die Abwässer der Skifahrer ins Klärwerk abgeleitet werden; im Sommer wird - allerdings noch nicht über dieselbe Leitung, sondern mit dem Druckfaßl - Klärschlamm auf der Alm verspritzt. Wer dafür ist, daß man das Zeug dann doch gleich oben lassen könnte, wird als tumber Laie beiseite geschoben. Ob man denn nicht wisse, wie hygienisch der Schlamm das Werk verlasse?

Trinken kann man die Überwässer so eines Wunderwerkes, demonstrierten vor ein paar Jahren Wiener Gemeindepolitiker. Der Vogel wurde aber doch auf einer Kammersitzung abgeschossen, als einer meinte, die Bauern dürften in dieser Frage die armen (bäuerlichen) Bürgermeister nicht in der Jauche stehen lassen. Das schien ihm denn doch wichtiger als die Gesundheit der Böden.

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