Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 30. November 1989
Kategorisierung Osteuropa; Konsum; 1989

Ungarnplündern

Szene in einem Ödenburger Gasthaus: Einem jungen Wiener bleiben nach dem Zahlen noch jede MengeScheine mit vielen Nullen und ohne viel Wert übrig. Er sagt dem Ober, daß der ganze Mist ihm gehöre, was könne man mit dem Zeug sonst anfangen. Forstlehrfahrt: Viele Bauern halten erstmals in ihrem Leben eine Million in den Händen - wenn sie 400 Schilling in Dinar wechseln. Es ist nicht nötig, ihnen zu sagen, daß sie das Gefühl, Millionär zu sein, maßvoll genießen sollen. In einem Kaufhaus in Ungarn: Wiener, Burgenländer und Niederösterreicher kaufen alles, was in ihrem Auto Platz hat, auf. Der Wochenendeinkauf kostet hier, bei gleicher Qualität der Waren, einen Bruchteil von drüben. Es zahlt sich die Fahrt aus. Und selbst wenn sie sich nicht auszahlte - allein das Gefühl, einmal der Chef zu sein... Mit vollem Recht haben die Ungarn diesen Plünderern nun das Handwerk gelegt. Wie kamen sie dazu, daß die Ostösterreicher ihre Geschäfte um billiges Geld ausräumen? Der Gedanke, daß dann, wenn ich eine Ware um den Bruchteil ihres Wertes kaufte, ein anderer gelegt wird, ist den meisten offenbar nicht von selbst gekommen. Es genügt nicht, sich über all das, was sich im Osten ereignet, von Herzen zu freuen. Es wird nötig sein, daß wir unser Verhalten gegenüber den Oststaatenund ihren Bewohnern überdenken.

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