Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Tu was – und tue es bald

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum  ?1988
Kategorisierung Waldsterben; 1988

Zur Woche des Waldes

Bäume klagen an - am Matzenköpfe bei Brixlegg. Kupfer, Schwefel, Arsen, Stick- oxide sind in größeren Mengen tödlich. (Foto: Hofinger)

Die heurige Woche des Waldes steht unter dem etwas forsch klingenden Motto "Tu was", womöglich noch mit Rufezeichen. Auch gutwillige Mitbürger, und vor allem die, fragen einen sehr oft, was man bzw. frau denn wirklich tun könne, um den geschundenen Wald und die kränkelnde Umwelt ganz allgemein vor weiteren Schäden zu bewahren oder zu ihrer Heilung beizutragen. Die Bäuerinnen tun da im Durchschnitt mehr Gutes, als viele andere. Vieles von dem, was unseren Wald kränkt, also krank macht, ist Ihrem Einfluß oder Ihrem guten Willen weitgehend entzogen. Was können Sie schon zur Verminderung des Transitverkehrs beitragen? Wie sollen Sie mithelfen, daß weniger Schadstoffe aus den industriellen Großverschmutzern in den Alpen abgeregnet werden, was vor allem in den Gebieten unseres Landes, in denen es am meisten regnet, zum Waldsterben führt?

Ihr politischer Auftrag

Eines können alle Bürger des Landes, ob einflußreich oder nicht, mit Zugang zu den Medien oder auch nicht, auf alle Fälle tun: Ein "Problembewußtsein" entwickeln, oder einfacher gesagt, zunächst sich selbst und in ihrer Familie sagen, daß wir mit der Umwelt allesamt sorgfältiger umgehen müssen. Dann sollen Sie den Politikern aller Parteien, allen, die an den Schalthebeln sitzen, sagen, daß Sie die Lage für ernst halten und daß es eine der ersten Aufgabe der "Macher" wäre, unseren Enkeln ein be-

„Unter die positiven Zeichen der Gegenwart muß man auch das wachere Bewußtsein von der Begrenztheit der verfügbaren Grundstoffe zählen; ferner die Notwendigkeit, die Unversehrtheit und Rhythmen der Natur zu achten und bei der Planung der Entwicklung zu berücksichtigen.“

Papst Johannes Paul II. in der Sozialenzyklika "Sollicitudo Rei Socialis"

wohnbares Land zu erhalten. Wir haben kein anderes in Reserve. Wie sehr diese Meinung des mündigen Bürgers etwas bewirken kann, ließe sich durch ein Beispiel belegen: Die 2. Forstverordnung (betreffend die forstschädlichen Luftverunreinigungen) von der wir Forstleute noch vor zehn Jahren nicht zu träumen gewagt hätten (so streng ist sie), ist nachweislich nur deshalb in dieser Strenge gekommen, weil kurz vor ihrer Verabschiedung eine Meinungsumfrage ergeben hat, daß den Bürgern kein anderes Problem stärker unter die Haut geht. Diese Forstverordung zwingt einen der größten Industriebetriebe im Inntal zu Maßnahmen, die wirksam sind, und die in Summe doch nicht viel mehr kosten als der Fußballklub, den sich die Firma leistet. Umweltschutz ist kein Arbeitsplatzkiller.

Die politische Aktion darf man nicht nur den anderen überlassen. Vor einem Jahr, als ein kleiner Haufen Unentwegter (und ein noch größerer Haufen von Polizisten in Zivil und in Uniform) vor der Wiltener Basilika auf das Kreuz des Transitverkehrs aufmerksam machte, da waren unter den rund zweihundert Aktiven keineswegs nur Berufsgrüne. Der einzige Lichtblick des Tages war für mich die Anwesenheit von Notaren, Generaldirektorsgattinnen - und zahlreichen Bauern und Bäuerinnen. Alle über das Alter, wo man für jede Hetz zu haben ist, weit hinaus.

Bevor man etwas tut, hat man sich zu informieren. Da sind die Bäuerinnen allen anderen Berufsgruppen weit voraus. Sie haben in ihrer Bildungsarbeit die richtigen Schwerpunkte gesetzt und Sie haben in ihren Beraterinnen und Lehrerinnen eine gut ausgebildete Schar von Spezialisten, die sagen können, wo es fehlt und wo jede sich bessern könnte.

Dem Wald hilft die Verminderung und die Entgiftung all dessen, was aus Schornsteinen und Auspuffrohren aller Art herauskommt. Das heißt, daß man überflüssige Fahrten mit Auto und Traktor wo es geht, vermeidet - was wiederum nicht heißt, daß Sie wieder zu Fuß von Ihren Berghöfen herab zum Einkaufen gehen sollen. Aber es werden von uns allen auch viele Fahrten mit Kraftfahrzeugen unternommen, die wir uns vor zehn, zwanzig Jahren nie hätten träumen lassen. Erinnern sich die Älteren, so wie ich, noch daran, wie wir vor vierzig und mehr Jahren über die Franzosen und die Amerikaner gelacht haben, die vom Hauptplatz zum Bahnhof wie selbstverständlich mit dem Auto gefahren sind? Und heute fahren unsere Kinder vier Häuser weit zum Zigarettenholen...

Vor dem eigenen Schornstein kehren

Das, was aus den Schornsteinen unserer Häuser quillt, hält nicht in jedem Fall einer strengen Prüfung stand. Die Brenner vieler Öfen sind mangelhaft eingestellt. Mancher Ofen ist eine bessere Selch - und dann ist auch das Holzheizen eine Umweltbelastung. Plastikwaren aller Art sollten schon der eigenen Gesundheit wegen nicht verbrannt werden. Wenn schon in Brixlegg bei der Plastikverbrennung Dioxin entstand, und zwar solches von der ganz schlimmen Sorte wie in Seveso, warum sollte das dann nicht auch bei Ihrem Allesfresser entweichen?

Wenn Ihr Mann noch immer glaubt, daß Klärschlamm ein billiger Dünger ist, dann haben Sie eine harte Bildungsaufgabe vor sich. Wenn Ihr Wohnhaus an die Kläranlage angeschlossen ist, dann sind Sie mit dafür verantwortlich, was im Klärwerk herauskommt. Das Klosett verwenden nur rücksichtslose Menschen als Sondermüllverwerter. Über alles das, was Hausfrauen zur Entgiftung ihres Arbeitsplatzes und seiner Abfälle beitragen können, wissen andere viel mehr als ich. Entscheidend ist, daß Sie sich nach einem solchen Vortrag wirklich ändern, nicht daß sie dasselbe wie vorher, nur mit etwas schlechterem Gewissen tun. Parolen wie "Tu was" hören wir alle nicht sehr gerne. "Denk bitte nach" sollte man eigentlich sagen, und zieh daraus die rechten Schlüsse. Denk an Deine Verantwortung auch gegenüber der Natur und behandle sie so, daß sie überleben kann.

Dem Leben zuliebe

Bei manchen Grünen habe ich ein wenig Sorge, daß ihnen vor lauter Sorg um Wasser, Böden und Wälder, die Sorge um die Menschen abhanden gekommen ist. Bei den Bäuerinnen habe ich diese Befürchtung nicht. Unser Vorbild sollt der hl. Franz von Assisi sein. Der hatte neben seiner innigen Gottesbeziehung ein weites Herz für die Sorgen seiner Mitmenschen. Und auch für die Schöpfung: Seinen Brüdern riet er, sie sollten das Gemüsebeet im Kloster nicht bis an den Rand umstechen, damit auch die Unkräuter leben können. Sie können in diesen Tagen Ihr Gemüsebeet ohne schlechtes Gewissen ganz unkrautfrei halten - wenn Sie insgesamt mit Wiesen und Wäldern, mit Quellen, Boden und Luft sorgsam umgehen.


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