Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 28. April 1988
Kategorisierung Alois Schöpf; Politisches; Kirchliches; 1988

Treue zu Gott

In dieser Zeitung stand unlängst zu lesen, wie Eduard Wallnöfer in den USA die Idee zur Präambel der Landesverfassung gekommen ist. Wer an Gott glauben kann, wer weiß, daß man sich von der Geschichte seines Landes nicht ausnehmen kann, wer auch hinterm Brenner noch das Bewußtsein hat, in Tirol zu sein, wer von Familie mehr hält als Frau Dohnal, dem ist dieser Text kein Ärgernis. Was ist mit jenen, die das alles nicht so halten? Es gibt glühende Tiroler Patrioten, die überzeugte Atheisten sind; gute Tiroler, die praktizierende Homosexuelle sind. Vergehen sich die gegen die Landesverfassung, begehen sie Verfassungsbruch, wenn sie ihrer Überzeugung oder ihrer Neigung leben?

Alois SCHÖPF, wilder Mann aus Lans, hat sich unlängst schriftlich und im Radio mit der Präambel auseinandergesetzt. Und dabei das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Nur wer Ostern nicht gefeiert hat, kann behaupten: "Der großen Mehrheit ist die Gottesfrage bis zwei Jahre vor dem Tod und mit Ausnahme einiger Begräbnisbesuche vollkommen gleichgültig." In der Kirche, wo ich gesungen habe, hat man an allen Kartagen und am Ostersonntag eine halbe Stunde vor Beginn der Liturgie keinen Sitzplatz mehr bekommen. Und alle waren ganz freiwillig da.

Die Frage, Herr Schöpf, ist also nicht, ob nur noch eine Minderheit im Lande an Gott glaubt oder ob das die Mehrheit tut. Die Frage ist, ob jene, die die Mehrheit haben, ihnen wichtig und richtig erscheinende Grundsätze in die Landesverfassung aufnehmen können, ohne damit den anderen Gewalt anzutun. Die Bereitschaft zur notwendigen Diskussion um diese Frage wird aber nicht gefördert, wenn man die Mehrheiten in Pausch und Bogen als vertrottelte Scheinheilige hinstellt.

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