Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 21. September 1989
Kategorisierung Transit; 1989

Transitlogik

Ein Bauer oben am Berg hat eine Hofzufahrt, die ihm nicht paßt. Er hätte gerne, daß die Gemeinde den Weg verbreitert, asphaltiert und die Erhaltungskosten übernimmt. Um dies zu erreichen, beschimpft er bei jeder nur möglichen Gelegenheit den Bürgermeister und die Gemeinderäte und stellt am Beginn seiner Hofzufahrt seinen Traktor, seinen Ladewagen und seinen Pkw ab. Und dann wundert er sich, daß ihn die ganze Gemeinde auslacht. In einer vergleichbaren Lage befinden sich die europäischen Frächter. Um Beschlüsse der Regierenden zu erzwingen, schneiden sie sich tief ins eigene Fleisch. Sie tun sich mit der Blockade nur selber weh. Sie gleichen in der Schlüssigkeit ihrer Handlungen einem kleinen Kind. Jeder, der will, daß die Transporteure aus dieser absurden Lage herauskommen, ohne daß sie aus Ärger über ihren Gesichtsverlust zu noch sinnloseren Taten schreiten, muß darüber nachdenken, wie ihnen geholfen werden kann - denn nichts ist der konstruktiven Lösung einer Konfliktsituation so hinderlich, als wenn einer der beiden Betroffenen sich lächerlich macht. Vielleicht ist die Brennerblockade schon beendet, wenn diese Zeilen gedruckt werden. Aus der Sicht des Landes und seiner Wirtschaft kann sie ruhig noch ein paar Wochen aufrecht bleiben. Auch die Anrainer haben sicher nichts dagegen.

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