Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Platz vor der Basilika Wilten
Texttyp Rede
Erscheinungsdatum 9. Juni 1987
Kategorisierung Transit; 1987
Anmerkung des Herausgebers leicht entschärfte Fassung für die Presse - erschienen ist die gehaltene!

Transitforum Rede

Mit Neid müssen die Menschen im Wipptal auf die Bäume schauen: Ein Heer von Fachleuten ist dabei, die Auswirkungen des Transitverkehrs auf die Gesundheit der Bäume zu untersuchen. Und die Gesundheit der Menschen? Wer untersucht die, und schreit die Ergebnisse hinaus? Ganz anders die Forstleute: Sie messen nicht nur, sie reden und schreiben, auch wenn es der eigenen Karriere nicht förderlich ist. Es gibt einen Waldzustandsbericht Wiptal, der nur unter der Budel zu haben ist, - seine Veröffentlichung könnte ja die Autobahn verärgern.

Die Presseförderung über die Inserate hat sich für die Autobahn mehrfach ausgezahlt. Wer einen Wald an der Transitroute besitzt oder wer, wie ich, für seine Gesundheit beruflich kämpfen muß, der muß für diese Demonstration sehr dankbar sein. Die Bäume können sich nicht zu Wort melden. Wenn Sie hier als Nichtwaldbesitzer für den Wald und seine Gesundheit, seine Sicherung in der Zukunft demonstrieren, dann gebührt Ihnen dafür der Dank aller Waldbesitzer, der kleinen Bauern wie der großen Agrargemeinschaften, entlang der Alptraumstraße der Alpen. Jenen, die die große Demonstration verboten haben, wäre es recht, wenn an einem Dienstag im November eine der beiden Fahrbahnen für ein paar Minuten unterbrochen würde. Der heutige 19. Juni wird in die Geschichte Tirols, das angeblich die älteste Festlanddemokratie ist, als pechschwarzer Tag eingehen. Jene, die durch ihre überladenen Schwerfahrzeuge täglich Terror und Gewalt ausüben, bleiben unbehindert. Behindert und kriminalisiert wird, wer sich im Interesse des Waldes, der Wiesen, der Gärten und Häuser, vor allem aber im Interesse der Gesundheit der Menschen dagegen wehrt.

Die Verkehrs- und Umweltpolitik unseres Landes ruht - ich sage das vor der Kirche "Maria unter den vier Säulen" ganz bewußt - ebenfalls auf vier Säulen:

  • Verkehr ist Leben - noch mehr Verkehr ist also noch mehr Leben.
  • Dürre Bäume hat es immer gegeben.
  • Der Transitverkehr dient der Arbeitsplatzförderung.
  • Bayern befiehl, wir folgen Dir.

Manchmal wache ich in der Nacht schweißgebadet auf, weil ich wieder einmal von einem Land ohne Bäume geträumt habe. Das ganze Land wird dann mehr oder weniger unbewohnbar sein. Dann wird man fragen, wo damals, als das alles ausbrach, die Fachleute waren, die das alles erkennen hätten sollen und deren Pflicht es gewesen wäre, laut und deutlich zu warnen. Wir warnen, halten Vorträge, schreiben. Wenn wir weiterhin so wenig gehört werden, wird die Katastrophe auf uns und unsere Kinder und Enkel herabkommen. Weil wir das nicht hinnehmen, sind wir Anarchisten. Die Ruhe ist des Bürgers erste Pflicht.

Stephanus und Laurentius sind die Patrone von Wilten. Sie sind für ihre Überzeugung in den Tod gegangen - wie Andreas Hofer, Michael Gaismair, Otto Neururer. Und was tun wir? Wir lassen sterben: Den Wald, die Quellen, die Wiesen und Äcker.
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