Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Tirol ist kein Golfland

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum 27. Juni 2001
Kategorisierung Golf; Raumordnung; 2001

Die Behauptung von der mangelnden Eignung unseres Landes für den Golfsport ist nicht den Hirnen von Querköpfen, die einfach gegen alles und jedes sind, entsprungen. Im Golfplatzkonzept des Landes, das von der Regierung beschlossen wurde und das in die Verantwortung des damaligen Finanz- und Fremdenverkehrsreferenten Franz Kranebitter fiel, ist das allergenauestens nachzulesen. Es gibt natürlich auch Argumente für den Bau von Golfplätzen; die Gründe dagegen überwiegen aber auch im Golfplatzkonzept des Landes eindeutig.

Der Golfsport wurde in Gegenden mit ozeanischem Klima erfunden. Dort ist der Temperaturunterschied zwischen Jänner- und Julimittel 7° (naßkalte Winter, fast so kalte Sommer). Bei uns liegt dieser Unterschied bei recht genau 20°. Bei uns kann man im Winter sicher nicht Golf spielen; in normalen Sommern (so es die noch gibt) ist es dafür zu heiß. Unser Klima bringt es auch mit sich, daß man die Spielflächen zumindest im Oberland im Sommer bewässern muß. Kein Millimeterrasen läßt sich bei uns auf Dauer ohne Giftspritzerei grün erhalten. Fungizide heißen die Pilztöter auf lateinisch.

So wie unser Land nie ein Reiterland werden kann - es fehlen dazu die extensiv genutzten und schwach besiedelten Freiräume. Und so wird es nicht möglich sein, Tirol mit einem Netz von Golfplätzen zu überziehen. Auf Almen, darüber und darunter, wird niemand auf die Idee kommen, einen Golfplatz anzulegen. In den wenigen fruchtbaren Talgebieten und auf den Mittelgebirgen des Landes drängt sich, neben der Landwirtschaft, alles andere: Siedlungen, Gewerbe und Industrie, Verkehrswege. Hier pro Platz je 50 Hektar auf Dauer abzusperren, ist bei der Knappheit von landwirtschaftlich (und auch anders) nutzbaren Böden einfach nicht vertretbar.

Kurzsichtig ist das Argument, daß man doch froh sein sollte, wenn pro Platz die Futterbasis von jeweils rund 100 Kühen der landwirtschaftlichen Überschußproduktion entzogen würde. Der Tag ist nicht mehr so fern, da eine sonst verhungernde Menschheit (jährliche Zuwachsrate zwei Prozent) jedes Fleckchen nutzbaren Bodens bebauen wird.

Ein Golfplatz kann, entgegen den Behauptungen der Betreiber, nicht "über Nacht", wenn Mangel entsteht, zur Erzeugung von Nahrungsmitteln rückgewidmet werden. Die Eingriffe beim Bau und die aufgebrachten Mengen an Pflanzenschutzmitteln verhindern das.

Von den Betreibern wird gern gesagt, daß sie ehedem wüste Agrarsteppen in "Biotope" verwandeln. Sie zeigen Bilder von neu angelegten Gewässern und Gebüschreihen. Auch das ist Natur aus zweiter Hand. Das Raumordnungsgesetz kennt den Schutzbegriff der landwirtschaftlichen Vorrangsflächen - kaum eine Bestimmung dieses Gesetzes, die noch weniger ernstgenommen wird.

Die Landwirtschaft als ganze ist zu erhalten, auch unter Vernachlässigung eines eventuellen raschen und leichten Einkommens einiger Grundbesitzer. Wie zweischneidig auch das ist, kann im Beitrag von Dr. Hans Heim nachgelesen werden. Wird in einem Gebiet eine Futterfläche von ca. 50 Hektar der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen, dann fehlen die hier bisher gehaltenen Rinder auf der Alm; ist diese, wie in Mieming, eine Servitutsalm, auf die kein Lehnvieh aufgenommen werden darf, dann gehen Rinder für den Erhalt des Almbetriebes ab. Erst der Umweltanwalt hat uns diese Zusammenhänge aufzeigen müssen ...

Ein teurer Sport

Golf ist, alles in allem, ein sehr teurer Sport. Es kosten die Aufnahme in den Klub, der Jahresbeitrag und die Ausrüstung so viel, daß dies nie ein Massensport werden kann. Der durchschnittliche Gast auf einem Tiroler Bauernhof, der durchschnittliche Einheimische wird nie golfen. Diesem Personenkreis entziehen Golfplätze ihr Wandergebiet, den Erholungsraum. Golfbälle durchschlagen Autofensterscheiben. Man rede also nicht davon, daß man zwischen den Spielbahnen gefahrlos Spazierengehen könnte. Die Hinweise auf bestehende Lebensgefahren werden in Wildmoos doch nicht spaßhalber aufgestellt sein.

Irgend jemand hat in Mieming gesagt, man solle an die Sache ohne Ideologie und Emotionen herangehen. Ich bekenne mich dazu, daß eine ordentliche Ideologie und kräftige Emotionen das wichtigste im Leben sind. Meine Weltanschauung und meine persönlichen Gefühle sagen mir: Lieber ein bäuerlich geprägtes, von Bauern erhaltenes, für alle offenes Land als ein mit vielen exklusiven Inseln gepflastertes Tirol als Spielwiese für einige wenige.

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