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Symposium Innsbruck 1968

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum 19. September 1968
Kategorisierung Raumplanung; 1968

Das Wort Symposium kommt aus der griechischen Sprache und bedeutet nichts anderes als "Trinkgelage". Wie der Leser vermutet, hat das Wort im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel erfahren. Zunächst bezeichnete man mit Symposium auch die klugen Gespräche, welche man nach dem Essen beim Trinkgelage führte; heutzutage ist ein Symposium nur mehr ein gescheites Gespräch, allenfalls über eine staubtrockene Materie und mit trockener Kehle.

Das Innsbrucker Symposium 1968, in der Vorwoche veranstaltet vom "Ständigen Ausschuß für historische Stadtviertel" und vom Gesprächskreis "Die Erneuerung unserer Städte, Märkte und Dörfer", behandelte eine Materie, die für die Leser der Bauernzeitung von relativ wenig Belang ist. Über Fragen der Altstadtsanierung brauchen sie sich nicht den Kopf zu zerbrechen. Daß das alles die Landwirtschaft nichts angeht, spürten auch die Veranstalter, in dem sie Anmeldungen zum Symposium etwa von Seiten der Landwirtschaftskammer unbeachtet ließen. Eine am Schluß der Tagung veröffentlichte Resolution, die vor allem das Finanzierungsproblem angriff, ging in einem - wenn auch nicht klar formulierten - Absatz auf eine Frage ein, die auch die Landwirtschaft berührt. Es heißt da wörtlich:

"Der Schutz der Landschaft soll eine fortschrittliche landwirtschaftliche Bewirtschaftung nicht hindern, andererseits soll die Bodennutzung im Einklang bleiben mit dem Wert der Landwirtschaft. Eine Veränderung der Landwirtschaft darf nur unter Beibehaltung der ästethischen Werte oder bei Schaffung neuer Kulturwerte durchgeführt werden, damit die Landschaft ihre Eigenart nicht verliert. Das steigende Bedürfnis der Bevölkerung, in ihrer Freizeit nicht nur die nähere Umgebung aufzusuchen, sondern weiter entfernt liegende Erholungs-Landschaften, führt zu einer Überbelastung der am meisten besuchten Orte. Man sollte daher das ganze Land, sämtliche land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen über die jeweiligen Staatsgrenzen hinaus, als zu schützendes Gut und zu pflegendes Hinterland der Städte und Ballungsräume betrachten."

Es ist üblich geworden, Tagungen dieser Art damit zu eröffnen, daß man Vertreter des Landes, in dem man tagt, ihre Heimat vorstellen läßt. Für die Stadt besorgte dies der Stadtbaudirektor von Innsbruck, Dipl. Ing. Rudolf Stuefer, für das Land Hofrat Dipl. Ing. Hans Weingartner vom Amt der Tiroler Landesregierung. Hofrat Weingartner sprach über die Tiroler Dörfer, ihre historische Entwicklung und ihre künstige Funktion im ländlichen Raum eines Berglandes. Der Redner beschränkte sich vor allem auf die historische Entwicklung und zeigte auf, was vom Land her alles unternommen wird, um die derzeitige Funktion der Dörfer zu erhalten - was sie wiederum in die Lage versetzen soll, ihre Aufgabe auch in Zukunft zu erfüllen.

Ein so ausgesprochenes Fremdenverkehrsland wie Tirol hat sein Hauptkapital in seinem ausgedehnten Erholungsraum. Die Natur hat uns hier reich gesegnet. Bei der zunehmenden Verdichtung müssen wir in Zukunft nur noch mehr trachten, den rechten Weg zu finden zwischen dem verständlichen Erwerbssinn des Einzelnen und der Erhaltung und Pflege der Kultur- und Naturlandschaft, Das wird auch in Zukunft nicht immer leicht sein. Aber zum Nutzen der am Fremdenverkehr Beteiligten - und das sind viele - sehen Gott sei Dank immer mehr ein, daß nicht nur ihr Haus, ihre gute Küche und ihr freundliches Wesen die Anziehung ausmacht, sondern daß ein gut erhaltenes Baugesicht, ein gepflegtes Dorf und vor allem eine intakt gehaltene natürliche Landschaft wesentlich dazu beitragen, den fremden Gast zum Verweilen einzuladen.

Die Pfleger und Erhalter dieser Naturlandschaft sind unsere Bergbauern. Sie haben heute einen schweren Stand. Gewiß lebten sie durch die Jahrhunderte herauf immer etwas karger als ihre Freunde im Tal: aber das Gefälle wird immer krasser. Es wenigstens teilweise ausgleichen zu helfen, ist eine brennende Aufgabe der Gesellschaft, der Gemeinde, des Landes und des Staates.

Wir haben schon eingangs gesagt, daß wir von einer merklichen Höhenflucht nicht sprechen können und daß im Land Tirol diese eigentliche Kampfzone menschlicher Tätigkeit besonders betreut wird. Aber trotz aller unserer Anstrengungen sind mit 1. Jänner 1968 noch 3.935 Höfe mit einem LKW nicht erreichbar. Und erst mit der Erschließung beginnt ein neuzeitliches Leben auf dem Berghof, können die notwendigen Investitionen getätigt werden. Der Erschließung der Höfe, Wälder und Almen kommt auch eine besondere Bedeutung für die Erweiterung des Erholungsraumes zu. Wir werden alle unsere Anstrengungen für die Aufrüstung unserer Berghöfe in der Zukunft noch intensivieren müssen. Unsere Bergbauern haben einen großen Selbstbehauptungswillen. Die Gesellschaft muß ihren Bestrebungen nur zu Hilfe kommen, sie verdienen es. Und die Gesellschaft schuldet diese Hilfe ihren Gärtnern der Berglandschaft.

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