Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 27. Juli 2000
Kategorisierung Bruno Kreisky; Eduard Wallnöfer;2000

Souverän

Wenn Hauptschüler nicht mehr wissen, wer Eduard Wallnöfer war - was werden sie mit Bruno Kreisky anfangen können, dessen Todestag nun zehn Jahre her ist? Wallnöfer und Kreisky haben sich, wie man hörte, übrigens gegenseitig geachtet. Beide genossen, weit über ihre politische Urheimat hinaus, viele Sympathien. Warum das so war? Kreisky hat sich Anzüge und Schuhe nach Maß anfertigen lassen - und trotzdem haben ihm die Leute, die kleinen Leute, die sich ihr Leben lang nie bei einem Schneider oder Schuhmacher Anzug oder Schuhe machen lassen konnten, vertraut. Sie ahnten, dass er sie mag. Dass er, der durchaus auch wo anders Karriere hätte machen können, den anstrengenden Beruf eines Politikers auf sich nahm, weil ihm das öffentliche Wohl ein Anliegen war. Weihrauch, Ruhm und Einfluss als gerne ertragene Nebenwirkung.

Bundespräsidenten-Wahlkampf; zur Wiederwahl stand Franz Jonas. Viel sprach dafür, den etwas hölzernen Ehrenmann wieder zu wählen. Sogenannte Jonaswitze erzählten damals Leute, die selber viel weniger gebildet waren als der gelernte Buchdrucker und Wiener Altbürgermeister. Kreisky hielt unter anderem in Götzens eine Wahlveranstaltung. Die Art und Weise, wie er den Saal unter Kontrolle hatte - witzig, ernst, wenn es sein sollte, jedes Wort sitzt - hat mich zu einem Kreisky-Fan gemacht. Vielleicht ist Fan nicht das richtige Wort. Ein echter Fan übersieht nämlich auch die Fehler des Objektes seiner Bewunderung. Das tue ich natürlich weder bei Kreisky noch bei irgend jemand anderem. Aber allein wie er meine an sich ernste Anfrage in nichts aufgelöst hat, väterlich, überlegen, souverän...

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