Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 17. August 1989
Kategorisierung Kirchliches; Kurt Krenn; 1989

Sommer-Interview

Es ist noch keine zweihundert Jahre her, da verfaßte ein ängstlicher Papst ein flammendes Schreiben gegen so aberwitzige Forderungen wie Gewissens- oder Pressefreiheit Das Dokument beginnt mit den Worten: "Mirari vos", zu deutsch also: Ihr wundert Euch ... Das Kirchendokument, das "Mirari vos" abgelöst hat, beginnt nicht zufällig mit den Worten: "Inter mirifica", also: Unter den erstaunlichen (Erscheinungen der neuen Zeiten ...). Wer römisches Latein zu lesen versteht, mußte erkennen: Das schreckliche Schreiben aus dem vorigen Jahrhundert ist abgelöst durch jenes, das mit ähnlichen Worten beginnt, und das die Pressefreiheit über den grünen Klee lobt.

Die Pressefreiheit ist ein auch von der Kirche anerkanntes Grundrecht. Das, was das Konzil fast einstimmig festgeschrieben hat, kann einer von vier Wiener Weihbischöfen weder in seiner noch in einer anderen Diözese außer Kraft setzen. Daher ist die große Aufregung um den neuesten Fehltritt von Weihbischof Krenn in den Zeitungen nur deshalb zu verstehen, weil er eben die Presse betroffen hat. Die Zerstörung der katholischen Hochschulgemeinde, die Einmischungen in die Belange anderer Diözesen, die Absetzung des gesamten Leitungsteams des Wiener Priesterseminares, die Installierung einer Glaubenskommission und ihre Besetzung mit Leuten ausschließlich aus dem reaktionären Eck - das schadet der Kirche viel mehr als das verschwommene Interview.

Der Verband der katholischen Journalisten hat über 300 Mitglieder. Es sind darunter ausgezeichnete Spitzenleute fast aller Zeitungen und des ORF. Ihre Arbeit wäre durch die Krenn-Lizenz nicht betroffen. Für wen ist sie dann gut? Für die Redakteure der Kirchenblätter? Für die Leiter der bischöflichen Pressestellen? - Daß die nicht schreiben dürfen, was sie wollen, hat mit dem Ideal der Pressefreiheit nichts zu tun.

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