Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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So schaut eine typische ÖVPler-Familie aus - ein Nachtrag

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum Juni 2004
Kategorisierung ÖVP; Familiengeschichte;2004

Mein Vater Josef Hofinger, Jahrgang 1901, wurde im Frühjahr 1938 mit einer minimalen Pension als Bibliothekar in den Ruhestand versetzt. Im Jahre 1944 versprach ihm ein St. Johanner Mitbürger, er und der Dekan Josef Ritter würden nach dem Endsieg auf dem Hauptplatz von St. Johann aufgehängt. Nach dem Sieg der Alliierten war mein Vater der erste ÖVP-Bürgermeister von St. Johann. Ein Bruder meiner Mutter, Franz Greiter, erlebte die Befreiung 1945 im Innsbrucker Lager Reichenau. Die Amerikaner fragten, wer von den anwesenden Politikern zum Tod verurteilt worden war. Anton Melzer meldete sich und wurde als Bürgermeister von Innsbruck eingesetzt. Mein Onkel wurde ÖVP-Vizebürgermeister und später, nachdem Melzer an Erschöpfung gestorben war, 1951 OVP-Bürgermeister von Innsbruck. Im Frühjahr 1945 wurde das Berufsverbot von Rechtsanwalt Dr. Josef Greiter, meinem Großvater, aufgehoben. Mein Onkel und Taufpate Viktor Schumacher stand auf der Liste jener Haller Bürger, denen ein Reisepass verweigert wurde, weil sie unzuverlässig seien. Im Mai 1945 wurde er, Vater von sieben Kindern, eingesperrt, weil er die österreichische Fahne ein paar Tage zu früh gehisst hatte. Die Amerikaner befreiten ihn und er wurde auf Jahrzehnte ÖVP-Bürgermeister von Hall in Tirol. Mein Schwiegervater durfte 1938 unter anderem deshalb nicht heiraten, weil seine Braut die Tochter des christlichsozialen Ministers Hans Pernter war (Sippenhaftung hieß man das). Pernter verbrachte viele Jahre im KZ. Im Mai 1945 wurde er aus dem "Grauen Haus" befreit und er wurde der erste geschäftsführende ÖVP-Obmann, weil Fiegl noch gefangen gehalten wurde. Pernter verstarb 1951 an den folgen der KZ-Haft. Es lässt sich ausrechnen, wie viele dieser ehrsamen ÖVP-Politiker den Endsieg Deutschlands nicht überlebt hätten. Sie trauerten diesem sicher nicht nach.

Wie ist es dann erklärbar, wenn trotz solcher und vieler anderer ähnlicher Familiengeschichten, die doch bekannt sind, Josef Broukal so einen Schwachsinn verbreitet hat? - Eine Erklärung fällt mir ein: Die Wiener Sozialisten, auch die gebildeten unter ihnen, meinen zumeist, dass es einen nennenswerten Widerstand nur bei ihnen und allenfalls bei den Kommunisten gegeben habe. Dazu ein Erlebnis: Ein aus Wien stammender Politologe sagte einmal öffentlich, nachdem er für ein Buch über den Widerstand von Priestern in Tirol das Vorwort geschrieben hatte: Das hätte er gar nicht gewusst, dass so viele Priester ... Es war doch so, dass die alten Nazis nach 1945 eher bei den Sozialisten Unterschlupf fanden - weil diese für die Fülle der Aufgaben, die sie plötzlich zu erfüllen hatten, nicht genug Leute hatten, was wieder viele Gründe hat, bis hin zum schrecklichen Pogrom an den Juden. Der BSA hieß, nicht nur in Kärnten, zeitweilig Bund sozialistischer Altnazis ..., was wieder eine dumme und schreckliche Verallgemeinerung ist. Die bringen unsere Republik nicht weiter, sondern nur näher an den Abgrund. Erfreulich ist, dass Josef Broukal von den Wählern - und wohl auch von einem Großteil der Presse -abgestraft wurde. Wer sich so wenig in der Hand hat, soll nicht unser Land in die Hand bekommen. Winfried Hofinger


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