Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum August 2007
Kategorisierung Bawag; 2007

Selten so gelacht?

Nun ist sie wieder vorbei, die BAWAG-lose Zeit. Nun kann man, beim Mittagsjournal wie beim Abendjournal, und am Morgen, wenn man Zeitungen liest, wieder hellauf lachen. Etwa darüber, dass ein Flugzeug voller Laien nach Zürich fliegt, um in einem fest versperrten und gut bewachten Depot Bilder zu taxieren. Weil es so sein sollte, schätzen sie die Bilder auf das fünf bis zehnfache des Verkaufswertes. Einer der "Schätzer" sagte vor Gericht, er kenne den Unterschied zwischen Monet und Manet nicht - das ist ungefähr so, wie wenn ein Forstmann sagen würde, er kenne eine Fichte von einer Tanne nicht auseinander. Oder ein Bauer sagt, er kennt den Unterschied zwischen einer Kuh und einem Ochsen nicht; aber er sei ein Tierzuchtexperte ... Ist man ganz unbeteiligt, ist leicht lachen. Aber die Sache hat ja noch eine andere Seite: Als eine Folge des ganzen Debakels musste der Gewerkschaftsbund die Zusatzpensionen seiner Mitarbeiter ganz drastisch reduzieren. Es gibt da nur noch einmalige Abfertigungen, die jeweils einen Bruchteil dessen ausmachen, was jeder von ihnen, der länger lebt, sonst bekommen würde. Was in diesen Leuten vorgeht, wenn sie täglich hören müssen, was Gewerkschafter mit der hauseigenen Bank aufgeführt haben? Gleich weniger lustig fänden die Leser dieser Zeitung die Sache auch, wenn so etwas im eigenen Bereich passiert wäre; bei der Kassa, wo schon die Eltern und die Urgroßeltern ihre paar Groschen eingelegt haben. Wo der Onkel Sowieso im Aufsichtsrat saß, und die Tante Sekretärin war. Alles Mitleid daher mit den so schwer gedemütigten und geschädigten kleinen Gewerkschaftern. Und hohe Strafen für jene, die offenbar alle ehrsamen Grundsätze verlacht haben. Gilt die Unschuldsvermutung? Nur bedingt: Vieles ist, ohne dass eine Richterin das Urteil gesprochen hat, freiwillig gesagt worden und nicht mehr bezweifelbar. Was braucht es noch ein Urteil, wenn einer der Angeklagten selbst sagt, er habe damals nur geschwindelt, weil er seinen armen Präsidenten ohnedies in Schwierigkeiten wusste?


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