Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum ungedruckt, 1987
Kategorisierung Raumordnung; Skipisten; nicht gedruckt;1987

Sellrainer Trauerspiel

Wenn nur ein Drittel davon wahr ist, was "Profil" über die Vorgänge rund um das Seiges-Skigebiet im Seilrain geschrieben hat, so ist das alles eine mittlere Katastrophe, aus der heil herauszukommen man dem sympathischen und rührigen Bürgermeister dieser extremen Bergbauerngemeinde nur von Herzen wünschen kann. Die Summe von über 200 Mill Schilling machte schon vor "Profil" überall die Runde, und niemand konnte bisher sagen, wer das viele Geld aufbringen kann und wie es bezahlt werden soll. Geld kostet nämlich Geld. Es wäre nun viel zu billig, den Sellrainern zu sagen, sie sollten sich ihre Skilift-Pläne auf den Hut stecken und sich zufrieden geben mit ihrem Los als Pendler nach Zirl, Kematen und Innsbruck. Ich wiederhole daher einen vor Jahren allerdings vergeblich gemachten Appell: Es wäre nach meiner Meinung ein Akt der Gerechtigkeit, wenn all jene Regionen, die sich in der Art von Neustift, Sölden, Mayrhofen oder Kitzbühel übererschlossen haben, einen spürbaren Beitrag für jene bezahlten, denen das verwehrt wurde oder ist. Denn die extremen Zustände der genannten Regionen sind ja nur deshalb erträglich, weil die anderen unterentwickelt geblieben sind (so wie weltweit die Industrialisierung Europas nur deshalb ohne totales ökologisches Chaos möglich war, weil andere Teile der Erde das alles nicht erlebten). Das wäre angewandte Raumordnung. Aber das Geschrei der reichen und übererschlossenen Regionen auf einen solchen Vorschlag lässt sich ausmalen. Daher bekommen die Armen ein paar Millionen Bedarfszuweisungen und sollen den Mund halten.

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