Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 18. jänner 1996
Kategorisierung Selbstmord; Kirchliches; Pia Maria Plechl; 1996

Selbsttötung

Nun, da es die Zeitschrift "profil" auf vier Seiten abgehandelt hat, da es nun also öffentlich ist, wird man darüber reden dürfen: Daß sich die große alte Dame des katholischen Journalismus, Dr. Pia Maria Plechl, selbst das Leben genommen hat. Vor dem recht fundierten Artikel haben sich alle, die wußten, daß p. m. p. keinen Ausweg mehr sah, das nur ungläubig zugeraunt. Es soll hier nicht darüber befunden werden, ob das Schreiben über den letzten Akt einer einsamen, schwerkranken Frau erlaubt war oder nicht. Richtig zu stellen ist: Im "profil" steht, daß sogar die katholische Kirche "da schneller gelernt" habe (schneller als die anderen Zeitungen). Sie verscharre "Selbstmörder" nicht mehr heimlich. Das stimmt, das tut sie seit ein paar Jahren nicht mehr. Aber im neuen Weltkatechismus steht geschrieben, daß Selbstmord immer eine schwere Verfehlung ist. Das steht so dort, unabhängig davon, was hundert Jahre an Psychologie und Psychiatrie ergeben haben - daß nämlich Selbstmörder in aller Regel das, was sie da tun, nicht mehr mit jener Freiheit tun, die Voraussetzung für eine schwere Sünde ist. Der Katechismus ist in sich unschlüssig: Er rät, ein paar Absätze weiter, trotzdem für die Selbstmörder zu beten. Wozu ich alle Leser und Leserinnen auffordern möchte.

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