Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum August 2007
Kategorisierung ORF; 2007

Selbstbedienungsladen ORF

Eine mittelgroße Gruppe von ehemaligen ORF-Intendanten hat öffentlich gemacht, was jeder in der Branche längst gewusst hat: Die Betriebsräte des Hauses ließen sich ihre Stimmen für den neuen Intendanten jeweils sehr teuer abkaufen. Nicht nur für sich und ihre erweiterte Sippschaft bis zur jeweils aktuellen Lebensgefährtin musste da etwas herausschauen. Auch jene, die sie zu vertreten hatten, sollten nicht darben: Ein ORF-Journalist im mittleren Bereich verdiente mehr als doppelt soviel wie ein vergleichbar qualifizierter, gleich alter Landesbeamter. Dazu mehr als 14 Monatsgehälter, Zahnarztrechnungen, Bekleidungsgeld und sofort. Das mit dem Bekleidungsgeld war und ist doppelt ärgerlich: Bei jedem Festakt erkennt man die ORF-Mitarbeiter daran, dass sie am schäbigsten angezogen sind.

Unverständlich ist nur, warum die Generalintendanten, die bis heute mehr verdienen und höhere Pensionen haben als der Bundeskanzler, das jetzt öffentlich machen: Sie waren es doch, die dem jeweiligen Betriebsrat goldene Eier versprochen haben, damit sie gewählt wurden. Das alles nun zehn, zwanzig Jahre später wortreich zu beklagen, ist doch ein spätes Eingeständnis der eigenen Käuflichkeit. Jawohl wir haben bestochen, wir haben das Zünglein an der Waage bei der jeweiligen Neubestellung mit Geld und Geldeswert gekauft! Nicht zufällig ist die Kritik von Gerd Bacher an diesen Vorfällen die leiseste - weil er der schlaueste von allen ist. Ist der Unterschied von aktiver und passiver Bestechung so schwer auszumachen? Ist die moralische Verwerflichkeit von beiden so verschieden? Nein - und daher hätten die alten Herren und die eine Dame viel besser geschwiegen.

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