Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Jänner 1990
Kategorisierung Udo Proksch; Seefeld; 1990

Schweinezüchter?

Ein alter Nazispion namens Proksch hatte einen Sohn Udo, der in keiner Schule gut tat. Als letzte Möglichkeit, daß sein Sohn doch noch gescheit würde, schien ihm die neue landwirtschaftliche Mittelschule in Seefeld gerade recht. Also versuchte es Klein-Udo dort, wurde aber nach ein paar Monaten als unerziehbar entlassen. Einige seiner Mitschüler, Agrarier in verschiedensten Positionen, erinnern sich noch ganz gut an ihn.

Und nur deshalb, weil er ein paar Monate in Seefeld mit ernsthaften Kriegsheimkehrern (späteren Beratern, Bezirkssekretären, Direktoren und Politikern) die Schulbank gedrückt hatte, nennt er sich jeden zweiten Prozeßtag "Schweinezüchter". Diese Berufsbezeichnung ist nicht geschützt -aber wie kommen die ehrlichen Schweinezüchter dazu, daß einer, der ihr Handwerk so wenig beherrscht wie das Versicherungsbetrügen, sich einfach als einer der Ihrigen bezeichnet?

Das Schreiben und das Lesen sei nie sein Fall gewesen; mit dem Schweinezüchter aus der Operette, der dieses von sich behauptet, hat der Kerl mehr zu tun, als mit jenen Spezialisten, die in der Schweinezucht mit Waage, Maßband und Computer tätig sind. Sie haben es nicht verdient, daß Udo P. ihre Berufsbezeichnung auf sich münzt. Aber kleinlich war der Mann wohl nie.

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