Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 16. März 2000
Kategorisierung Kirchliches; Frauen in der Kirche; Johannes Paul II; 2000

Schuldbekenntnis

Da das Beichten nach allen statistischen und sonstigen Erhebungen ziemlich abgekommen ist, mag es statthaft sein, in der Fastenzeit einen Teil einer rechten Beichte, das Schuldbekenntnis, etwas ausführlicher zu beschreiben. Wer ist nicht zutiefst ergriffen worden, wie er den alten Papst an der sogenannten Klagemauer gesehen hat? Die Juden nennen diesen imposanten Rest des salomonischen Tempels heute die Westmauer - Klagemauer scheint ihnen zu abwertend zu sein. Unmittelbar darüber jene Moschee, in der der Papst am selben Sonntag vor Muslimen gesprochen hat, und auch nicht weit entfernt jener ehemalige Garten, in dem Jesus in ein noch neues Grab gelegt wurde und wo der Papst mit Christen gefeiert hat Nun lässt Du, Herr, Deinen Diener in Frieden heimfahren, und wenn er denn von der so offensichtlichen Bürde seines Alters erlöst wird, dann hat er sein Lebenswerk vollendet. Wer da nicht Anerkennung und Respekt aufbringt, dem ist wohl nicht zu helfen.

In einer Zeit, in der nur gilt, wer gesund und jung ist, ist die körperliche Gebrechlichkeit des Papstes ein besonderes Zeichen. Er zeigt uns, was ein starker Glaube und ein starker Wille vermögen. Wer selbst nur zum Blutspenden und zu Besuchen in Krankenhäuser geht, kann das womöglich nicht recht würdigen. Aber nachdenken könnte man darüber. Der ganze Fitness- und Jugendlichkeitskult unserer Tage, acht Seiten Sport in jeder Tageszeitung am Montag, Schönheitstipps, Magersucht und so fort - wie hohl ist das gegenüber dem Zeugnis des letzten Sonntags in Jerusalem.


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