Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Jänner 1997
Kategorisierung Kirchliches;Musik; 1997

Schubertiade

Die musikalische Welt, Abteilung E-Musik, feiert dieser Tage, daß einer ihrer allergrößten, Franz Schubert, vor genau 200 Jahren in einem Wiener Vorort als Sohn eines Schulmeisters geboren wurde. Er wurde kaum 30 Jahre alt. Er hat über tausend Werke hinterlassen. Selbst wer sich mit der Klassik nicht so beschäftigt, wird die eine oder andere seiner rund 600 Liedvertonungen kennen. Er wurde, wie das zu einem großen Genie offenbar gehört, viel unterschätzt.

In allen sechs lateinischen Messen, die Schubert vertont hat, fehlt im Credo der Satz von der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. An sie zu glauben und das auch in Töne zu setzen, war ihm offenbar nicht möglich. Wer den Zustand der Kirche Wiens um 1820 nur einigermaßen kennt, mag sich darob nicht wundern. Frühere Bearbeiter haben die fehlende Textzeile irgendwie hineingemogelt; heute spielt und singt man die Messen wieder so, wie er sie geschrieben hat. Jene in B und G singen viele Tiroler Kirchenchöre. Jene in Es und As sind schon für den Konzertsaal geschrieben. Jeder Kirchgänger kennt die "Deutsche Messe" von Franz Schubert. Was heißt jeder Kirchgänger? Das "Wohin soll ich mich wenden" können in Österreich alle Kirchenbänke auswendig. Diese Messe war anfänglich auch verboten. Warum? Weil die Kirche wirklich nur schwerlich eine heilige zu nennen ist.

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