Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 12. September 1996
Kategorisierung Sport; Autorennen; 1996

Schnelle Eisen

Beim Bügeln kann man zugleich vielerlei tun: Seinen Gedanken nachhängen und bei jedem Stück an den oder die denken, die es wieder benützen werden. Gute Musik hören. Oder Fernsehsendungen anschauen, die man sich sonst nie gestatten würde.

Jetzt wird offenbar von Autorennen sogar das Training übertragen. Da sieht man dann, in mehrfacher Wiederholung, wie unser aller Gerhard wieder einmal einen Wagen zuschanden fährt. Meine Tante Helene, 82, seit 40 Jahren unfallfrei unterwegs, hat eine ganz einfache Erklärung für Bergers viele Ausfälle: Er kann nicht gut fahren. Erstaunlich ist, warum das Fernsehen immer noch Autorennen überträgt. Nein, nicht erstaunlich, sondern ganz klar: Gesendet wird, was angeschaut wird. Und warum werden Autorennen angeschaut? Warum vergeuden Menschen aller Altersgruppen alle zwei Wochen mehrere Stunden damit, anderen zuzuschauen, wie sie einige wenige von über zwanzig mehr oder weniger zerbrechlichen Autos ins Ziel bringen?

Weil die Leute eben alles anschauen, was gesendet wird? Nein, das ist es nicht - die meisten können jede Menge anderer Sender abrufen. Weil Heinz Prüller so sprachgewandt dahinredet? Weil es ihr Traum wäre, auch einmal mit 300 km/h über die Zielgerade zu fahren? Früher gab es wenigstens pro Rennen mehrere Unfälle mit Todesfolgen, jetzt hat man dieses Vergnügen nur mehr alle paar Jahre. Und dafür soll man stundenlang ...?


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