Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Jänner 1987
Kategorisierung Jagd; 1987
Anmerkung des Autors Replik darauf in "Jagd in Tirol" Jänner 1987 von Obholzer und tel. Bestätigungen des Sachverhaltes von Knapp u.a. (Anton Christian)

Schießen statt strafen

Wer als Jäger den Abschußplan nicht erfüllt, der wird - im schlimmsten Fall - mit Geld gestraft. Meist wird er nur gerügt oder ermahnt. Wer im Bestreben, den Wildstand niedrig zu halten (auf jenem Stand, der der Landeskultur frommt) ein Stück erlegt, auf das er keinen Anspruch hatte, wird erbarmungslos gestraft: Mit ein paar Tausendern und einem roten Punkt auf der Trophäe. Mit gesenktem Kopf schleicht der Sünder auf der Trophäenschau herum, wenn er sich überhaupt hingetraut.

Wer im Wald einer Gams begegnet, hat in der Regel nicht die Zeit, sie anzusprechen, was nicht heißt, daß er "Guten Morgen" sagen soll. In Windeseile soll der Schütze entsichern, zielen, treffen und davor noch die Entscheidung fällen, ob er überhaupt abdrücken darf - ob ihm das Stück zusteht. So wird man die Waldgams nie ausrotten. Auch der Jäger auf Reh und Hirsch kann oft erst nachher, mit Schubleere und Waage, feststellen, ob er richtig gehandelt hat, oder ob er Strafe und/oder Verschiß zu gewärtigen hat.

Das alles geht grundsätzlich von ganz falschen Vorstellungen aus. Wenn das Wild wichtiger ist als die Vegetation, dann gehört gestraft, wer zu rasch abdrückt. Wenn die Entlastung des geschundenen Waldes oberstes Prinzip ist - was an sich vom Jagdgesetz gefordert wird - dann wird die Behörde jene, die zu wenig schießen, ärger strafen als jene, die sich in den (zweifellos recht willkürlichen) Wildklassenmerkmalen ein wenig vertan haben.

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