Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 16. März 1998
Kategorisierung Historisches; Nationalsozialismus; 1998

Schießbefehl

Als die deutschen Truppen in Österreich einmarschierten, da saßen die Gegner des Regimes, rote wie schwarze, schon in den Lagern und Gefängnissen. In Innsbruck sagte ein Aufseher zu den Schwarzen, die er dafür besser geeignet hielt: "Ihr könnt doch so gut beten. Betet, daß kein Schuß fällt. Wenn auch nur einer fällt, müssen wir Euch alle erschießen."

In einer sehr bemerkenswerten Fernseh-Sendung zum 60. Jahrestag des Einmarsches der "Befreier" wurde auch ein Österreicher, der im März 1938 mit einmarschiert ist, befragt. Nein, nie hätten sie auf Österreicher geschossen - es sei denn, es wäre ein Befehl dazu gekommen. Es sei denn, es wäre ein Befehl ergangen, alle männlichen Kleinkinder von Bethlehem zu töten; auf unschuldige Menschen in japanischen Städten eine Atombombe zu werfen; Coventry (in England, 1940) oder Lübeck oder Dresden (1945) dem Erdboden gleichzumachen; Serben, Bosnier, Kosovoalbaner zu massakrieren ... Das ganze Elend des Soldatenberufes wird darin offenbar: Das alles wurde ausgeführt, weil Befehlen "blind" zu gehorchen ist. Sonst hört sich das ganze Kriegshandwerk auf. Na und schon.

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