Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

Wechseln zu: Navigation, Suche
Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 11. Oktober 1990
Kategorisierung ÖVP; Josef Riegler; 1990

Sammlung

Mehrere Leute fragten mich seit Sonntag abend: Was wirst du wohl auf Seite 2 der Bauernzeitung zur Wahl schreiben? Am liebsten gar nichts. Soll ich gestehen, daß ich seit der Studentenzeit, seit ich mit Josef Riegler in der Hochschülerschaft zusammengearbeitet habe, befangen bin; daß seit damals die starke Sympathie zu diesem Mann mein politisches Urteil über ihn trübt? Man kann nicht auf zwanzig Zeilen darlegen, was man sich für die Zukunft der Volkspartei erhofft. Prinzipien, Grundsätze vor allem. Aber welche? Wenn sich die Partei dem Christentum ernster verpflichtet, dann wird sie womöglich bald noch weniger Stimmen haben. Nimmt sie es mit den christlichen Grundsätzen nicht so genau, dann verliert sie wieder jene, die darauf nicht verzichten wollen.

Spricht sie z. B. und zu meiner Freude über Ausländer, so wie Christen darüber reden und dann handeln sollten, verliert sie an Freiheitliche und Sozialisten, die das Boot als voll bezeichnen. Vertritt sie die Umweltaskese, verliert sie die Prasser. Verteidigt sie die Eigeninitiative, laufen ihr die Schwachen davon. Macht sie eine zu deutliche Bauernpolitik, schreien die Arbeitervertreter auf. Macht sie Industriepolitik, verliert sie die Umweltbewußten.

Ist die Zeit für eine Integrationspartei, eine Volkspartei einfach vorbei? Ich glaube das nicht. Aber es darf der Wunsch, für alle dazusein und allen alles zu sein, nicht mit Prinzipienlosigkeit verwechselt werden.

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen