Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 14. Juli 1994
Kategorisierung Müll; 1994

Sachverstand

Als vor Jahren im mittleren Inntal eine überregionale Deponie gebaut wurde - ohne jede Absicherung gegen das Grundwasser - da war weit und breit kein Experte zu hören, der dies verlangt hätte. Jahrelang wurde das Ahrental bei Innsbruck als Muster hingestellt, bei dem die Piller Fehler nicht gemacht würden. Nun hat der Rechnungshof festegestellt: Sickerwasser wurde nicht, wie uns glauben gemacht wurde, im Kreislauf entsorgt, sondern in die Sill geleitet. Allein die Sanierung der Ahrentaler Klärschlammseeen wird zweistellige Millionenbeträge verschlingen. Insgesamt wird die Sanierung dieses Musterbetriebes eine halbe Milliarde Schilling kosten.

Schadenfreude ist nicht am Platz, wohl aber ein Nachdenken über den Wert von Sachverständigenaussagen. Vor kurzem noch haben mich Kollegen verwundert gefragt, warum ich mit solcher Ausdauer über die Zustände im Ahrental spottete. Woher ich mein Wissen hätte? - Nicht von Sachverständigen, sondern von gelegentlichen Besuchen in diesem ehemaligen Naturschutzgebiet. Und vor allem von Viller Bauern. Die haben sich nicht von den Betreibern kaufen und nicht Sand in die Augen streuen lassen, sondern kritisch beobachtet.

Ein Gutachter ist jemand, der für gut erachtet, was der ihn bezahlende Auftraggeber haben will. Sagt der Volksmund. Und dann ist man ganz erstaunt, wenn eben dieses Volk bei der nächsten technischen Großinvestition (Beispiel Müllverbrennung) zuerst einmal kritisch ist, eingedenk der vielen von Sachverständigen gemachten Fehler. Ohne immer gleich Tschernobyl zu bemühen.

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