Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum nachzutragen
Kategorisierung Sozialsystem

Runder Geburtstag (3.)

Es ist genau 150 Jahre her, da erschien in Weimar ein Buch mit dem langen Titel: "Die Einkommensteuer, Ihre Unzweckmäßigkeit, Schwierigkeit und nachteilige Folgen für die Staatswohlfahrt und für die Staatsangehörigen. Den Ständen gewidmet von C. G. Zuacarius." In Österreich wurde das schreckliche Buch - es war die Zeit der "Reaction" - sofort beschlagnahmt und nach Deutschland zurückgeschickt. Seit damals, seit man begann, das Einkommen zu besteuern, ist die Abneigung der Vermögenden dagegen stark entwickelt. Die Gründer des Bauernbundes forderten vor genau hundert Jahren die progressive Einkommensteuer, also einen höheren Steuersatz bei höheren Einkommen: "Rothschild zahlt nur fünf Prozent!", stellte man fest. Alle, die sehr viel verdienen, versuchen seither, durch eine Flucht Ins Ausland (vor allem in die Schweiz) dieser Steuer zu entgehen. Besonders makaber ist es, wenn jene, die von uns allen (Einkommen-)Steuern einzutreiben haben, vermeinen, es müsse für sie Schlupflöcher geben. Dem Finanzminister Hannes Androsch wurde von Gericht bestätigt, dass er den Gestaltungsspielraum bis ins Strafbare überzogen hatte. Ein ebenso junger, fescher und gescheiter Minister versucht derzeit dasselbe. Und er weiß noch gar nicht, dass das Spiel längst aus ist; dass im Grunde nur auf eine gute Gelegenheit gewartet wird, ihn ehrbar zu entsorgen. "Das Drama des begabten Kindes" war vor ein paar Jahren ein Bestseller. Es spielt sich dieses Drama wieder einmal vor unseren Augen ab. Nur das begabte Kind bemerkt es noch nicht.


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