Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 9. Juni 1994
Kategorisierung Bauernbund; Historisches; 1994

Rebellen 1904

Als vor genau 90 Jahren in Sterzing der Bauernbund gegründet wurde, da standen auf seiner Forderungsliste unter anderem:

  • die Verstaatlichung des Notariatswesens; damals kostete ein von einem Notar erstellter Übergabsvertrag mehr, als ein Übernehmer je zahlen konnte. Wir wissen, daß dies anders geworden ist;
  • die Aufhebung des dreijährigen Militärdienstes für den gemeinen Mann. Maturanten hatten das Privileg, als Einjährig-Freiwillige mit einem Drittel der Zeit davonzukommen. Nun dient der gemeine Mann gleich lang, besser gesagt: gleich kurz wie der Maturant;
  • die Einführung einer progressiven Einkommenssteuer - "Rothschild zahlt nur 5 Prozent". Wir haben sie, und sie tut den Bauern, weil sie im Durchschnitt weniger verdienen, nicht weh.

Man kann daraus lernen, daß mit der Zeit auch große Probleme gelöst werden, wenn das nur oft und deutlich verlangt wird - so wie in unseren Tagen die Verbesserungen in der Sozialversicherung, von denen die Großeltern unserer Bauern nicht zu träumen gewagt hätten. Etwas vom Radikalismus der Gründer möchte man den heutigen Bauernführern wünschen. Sie waren damals so radikal, daß die Bischöfe am Gründungstag in Sterzing die Abhaltung einer Feldmesse verboten: der Priester Sebastian Rieger, besser bekannt als Reimmichl, konnte an der konstituierenden Sitzung im Herbst 1904 im Innsbrucker Löwenhaus nur in Verkleidung teilnehmen.

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