Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 3. Juli 1986
Kategorisierung Kirchliches; Frauen in der Kirche; 1986

Priesterlose Kirche

Dieser Tage waren alle Zeitungen voll mit Berichten über die Priesterjubilare. 25, 40, 50, 60 Jahre lang stehen sie im Einsatz, oder noch länger. In Pension geht nur, wer gar nicht mehr kann - weil der Nachwuchs fehlt. Heuer wurde wieder nur ein Weltpriester für die Diözese Innsbruck geweiht. Dabei studieren so viele junge Leute Theologie wie nie zuvor, Männer und Frauen. Für die, die sich nicht weihen lassen wollen oder können, sind die wenigen, die sich weihen lassen, "Verräter": sie tragen dazu bei, daß die Entscheidungen, die nach dem Aussterben des traditionellen Klerus oder kurz vorher nötig werden, hinausgeschoben werden können. Sie verlängern die Herrschaft der zölibatären Männerkirche; im Soziologendeutsch wird das alles noch viel schärfer und mit noch mehr Fremdwörtern gesagt.

Und wie wird es wirklich weitergehen? Wenn es so weitergeht wie bisher, mit ein, zwei Weihen und zwanzig Todesfällen im Jahr, dann ist das Ende des Priesterstandes tatsächlich vorhersehbar. Dann wird zunächst der ländliche Raum sich selbst versorgen müssen, der Priester kommt dann nur noch als "Wandlungsreisender" vorbei, alles andere müssen die sogenannten "Laien" erledigen. Und siehe da, man stellt fest, daß sie das durchaus können: Wer ein Begräbnis, eine Taufe, einen Wortgottesdienst würdig gestalten will, muß nicht fünf Jahre Theologie studiert haben. In Ungarn werden schon Frauen zu Diakonen geweiht, auch wenn sie nicht so genannt werden. Weil dort eine Notsituation herrscht. Richtiger wäre es meiner Meinung nach, Diakonissen und Priesterinnen auch ohne Not zu weihen. Aber dahin ist der Weg noch sehr weit.

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