Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 30. April 2009
Kategorisierung Kirchliches; Post; Raumplanung; 2009

Postpfarrer

Der Vorschlag, die Briefpost künftig über die Pfarreien sammeln (oder gar austeilen?) zu lassen - weil die doch flächendeckend seien - kann nur von jemand kommen, der die täglich gelebt Praxis (katholischer) Pfarren nicht kennt. Ein Priester ist in der Regel älter als die meisten seiner Mitbürger. Er hat zwei bis fünf Pfarren zu betreuen und Schulunterricht zu geben. Sein Mitarbeiter, oder gewöhnlich seine Mitarbeiterin, die Pfarrsekretärin, bekommt meist nur so viele Stunden bezahlt, als sie tatsächlich gebraucht wird. Für's Postmeister spielen bleibt da niemandem Zeit. Ist irgendwo ein Pfarrer nicht so überlastet wie die meisten seiner Mitbrüder, dann soll er denen helfen, wenn er das noch schafft, statt Zahlscheine oder Briefe in Empfang zu nehmen. So nebenbei stellt sich auch die Frage, ob ein Pfarrer alles, was so mit der Post von Haus zu Haus geht, in seine geweihten Hände nehmen und weiterleiten soll ... Die Verdünnung des Postdienstes kann gerade von denen, die für den ländlichen Raum stehen, nicht damit beantwortet werden, dass heute ohnedies "jeder" einen Internetanschluss habe. Ein kleiner Blick zurück: Vor einem halben Jahrhundert wurde - nicht zuletzt mit Steuergeld, das in den Ballungszentren verdient wurde - der ländliche Raum mit Straßen, Strom und Telefon erschlossen. Alles das war rein betriebswirtschaftlicher ein Unsinn. Es war eine Umverteilung, die von den Bewohnern der abseits liegenden Landesteile viel zu wenig anerkannt und fast nie bedankt wurde. Das jetzt schrittweise rückgängig zu machen, ist jene Form von "Fortschritt" auf die eine solidarische Gesellschaft verzichten sollte.

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