Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 27. November 1986
Kategorisierung Wahlen; FPÖ; ÖVP; 1986

Politik als Krankmacher

Er habe, so sagte Robert Graf am späten Montagabend, die Sitzung "nur" wegen Magenschmerzen eine Stunde früher verlassen; man sollte daraus aber keine voreiligen politischen Schlüsse ziehen. Na, dann eben nur menschliche. Robert Graf, und nicht nur ihm, hat die sonntägliche Wahl ganz kräftig auf den Magen geschlagen. Anderen ist sie auf andere Körperteile gefallen; manchen ist das Ergebnis zu Kopf gestiegen.

Nachdenklich machen sollten weniger die paar Mandate mehr für die freiheitliche Partei, sondern die Stimmen für diese Partei in den Dörfern. Wenn in St. Achaz am Frostaufbruch die Stimmen für die FPÖ von null auf 15 gestiegen sind, dann doch nicht deshalb, weil Dr. Stix oder Hermann Eigentler plötzlich so gut geworden sind. Ganz sicher nicht, weil da alte Nazis die alte Trompete gehört und sich des alten Schulterschlusses erinnert haben. Wenn in einem anderen Dorf aus 23 FP-Wählern plötzlich 96 wurden - wer waren die 73 neuen Wähler, die ihrer bisherigen Partei den Rücken gekehrt haben, und warum? Was muß da alles falsch gelaufen sein? Zum Teufel mit der sogenannten Mobilität.

Politik ist, so wie sie heute ausgeübt wird, unmenschlich und brutal. Wer Alois Mock vor gut 20 Jahren gekannt hat (als wir noch studierten und Mock Kanzlersekretär war), dem ging es nicht nur auf den Magen, sondern auch auf das Gemüt, wie geschlagen er Sonntagabend vor die Fernsehkameras trat. Wer ihn mag, der sollte ihn davor bewahren, von der Politik ganz aufgerieben zu werden. Was sind das für Leute, die da unbeschädigt bleiben? Nur die mit Nerven und Herzen aus Stahl?

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