Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Pfeift die "Löwinger" aus!

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum 3. März 1967
Kategorisierung ORF; Stadl; 1967

Wie man hört, ist die "Löwinger"-Bühne in letzter Zeit in Tirol zu "Gast" gewesen. In Telfs, so wird berichtet, füllt die "durch das österreichische Fernsehen bekannte" Truppe ganze 5 Bankreihen in einem an sich großen Saal. Die kümmerlichen Darbietungen des Ensembles wurden schlicht und einfach ausgepfiffen. Auch im Unterland sollen diese "Kulturboten" durchgefallen sein ....

Man fragt sich daher verwundert, warum den Löwingern nicht auch dasselbe im österreichischen Fernsehen passiert. Alle paar Wochen gestattet es eine am Ansehen des bäuerlichen Bevölkerungsanteiles nicht sonderlich interessierte Fernsehdirektion diesen Leuten, Österreichs Bauern als eine vertrottelte Bande von Schürzenjägern, Raufbolden, Halb- und Ganznarren, Trunkenbolden und Tunichtguten hinzustellen. Deren Frauen sind um nichts besser; keifende Eifersüchteleien, Ehebruch oder ein völlig unzeitgemäßes Frömmlertum beherrschen die Szene.

Der einmütige Aufschrei aller Bauern: Wir sind nicht so, wir lassen uns das nicht gefallen, nieder mit dieser Fernsehdirektion! - müsste die Reaktion darauf sein. Delegationen aus den verschiedenen Talschaften sprechen bei ihren Abgeordneten vor, bei der Kammer usw. Sie bombardieren die Fernsehdirektion mit empörten Briefen, daß diese fortgesetzte Verhöhnung ihres Standes auf keinen Fall weiter geduldet werde. Nichts dergleichen geschieht. Im Gegenteil, im ganzen Land wird bestätigt, daß niemand sich die Sendungen aus der Löwinger-Bühne lieber ansehe als die Bauern selbst.

Im Jahre 1965 erbrachte eine Befragung der Fernseher aus den Bundesländern Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg unter anderem: 81% aller Pflichtschulabsolventen sehen die Sendungen der Löwinger-Bühne "gern" (gegenüber 44% der Maturanten und 30 % der Akademiker). Von den Einwohnern von Orten bis 1000 Einwohner sehen 82 % "gern" die Löwinger. Diese Zahl sinkt bis in die größeren Städte auf unter 70%. Eine Aufschlüsselung nach Berufsgruppen der Beftagten wurde nicht gegeben, doch bestätigen die beiden vorstehenden Angaben schon, was Berater, Leiter von Bildungswerken, Musikkapellen und Kirchenchören schon vorher wussten: steht eine Sendung aus der Löwinger-Bühne auf dem Fernsehprogramm, dann ist es in unseren Dörfern wenig sinnvoll, an demselben Abend eine Veranstaltung bildender Art oder eine Probe, auf der eigene schöpferische Leistungen erbracht werden sollen, anzusetzen, weil alle vor den Apparaten sitzen.

Heute tritt in Wien der Aufsichtsrat des österreichischen Rundfunks zusammen, um unter den 45 Bewerbern, die sich selbst für geeignet halten, den Posten eines Generalintendanten des österr-Rundfunks auszufüllen, den richtigen auszusuchen. Wer immer die Mehrheit der Stimmen der Mitglieder des Aufsichtsrates erhalten wird, Richtschnur seines Handelns wird das neue Rundfunkgesetz sein, das die Aufgaben dieser Institution klar umreißt, nämlich

  • die Verbreitung von Volks- und Jugendbildung,
  • die Vermittlung und die Förderung von Kunst und Wissenschaft,
  • die Darbietung einer einwandfreien Unterhaltung
  • eine streng objektive Information und Berichterstattung,

über das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben. Man kann ungestraft behaupten, daß die Sendungen der Löwingerbühne in der Regel keine dieser hohen Aufgaben erfüllen, daß sie vielmehr der Volksverblödung und der Lächerlichmachung eines ganzen Berufsstandes dienen. Es wird weder Volks- noch Jugendbildung, weder Kunst noch Wissenschaft oder gar einwandfreie Unterhaltung geboten. Eine der ersten Aufgaben des heute zu wählenden Generalintendanten wird es daher sein, die "Löwinger" zu streichen.

Die Rundfunkgesellschaft ist schließlich verpflichtet, von einem unabhängigen Meinungsinstitut periodische Hörerbefragungen durchführen zu lassen. Die Resultate einer solchen Umfrage müssen veröffentlicht und so weit als möglich bei der künftigen Programmgestaltung berücksichtigt werden. Schon heute kann vorausgesagt werden, daß bei dieser Befragung ein Großteil aller Fernseher, darunter leider auch sehr viele Bauern, verlangen werden, daß ins Programm des Fernsehens noch mehr Übertragungen von der Löwingerbühne aufgenommen werden sollen. Der neue Generalintendant wird also gut daran tun, das Ergebnis dieser (ohne Zweifel sehr teuren) Volksbefragung in den Papierkorb zu werfen ....

Es wäre zu wünschen, daß die Bauern immer mehr (die Telfer haben durch Abwesenheit bezw. durch Pfiffe schon einen Anfang gemacht) draufkommen, daß die Löwingerbühne abzulehnen ist. Nicht jeder hat Gelegenheit, dieser Ablehnung dadurch Ausdruck zu verleihen, daß er vor den versammelten Löwingern die Finger in den Mund steckt. Es gibt aber noch andere Möglichkeiten, dem Fernsehen mitzuteilen, was man für Volksbildung, Kunst und Unterhaltung ansieht.


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